Analyse: EU droht Engpass bei Rohstoffen für Energiewende
02.02.2026 17:00
Wer nachhaltige Energie will und Batterien, Windturbinen und
Solarpaneele bauen will, ist auf bestimmte Rohstoffe angewiesen.
Bleibt Europa auf Importe angewiesen? Der Rechnungshof warnt.
Luxemburg (dpa) - Der EU droht nach Einschätzung des Europäischen
Rechnungshofs trotz ihrer Bemühungen ein Engpass bei Rohstoffen für
erneuerbare Energien. Bei 10 von 26 kritischen Rohstoffen sei die EU
vollständig von Einfuhren abhängig, die Importe seien bisher nicht
auf mehr Herkunftsländer erweitert worden. Engpässe hemmten die
heimische Produktion, und das Recycling stecke noch in den
Kinderschuhen, mahnen die Prüfer. Es fehle eine solide Strategie, um
die langfristige Versorgung mit für die Energiewende wichtigen
Rohstoffen zu sichern.
Die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein und bis
2030 mindestens 42,5 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen
zu erzeugen. Für Technologien im Bereich erneuerbarer Energien wie
Windturbinen, Batterien und Solarpaneele sind kritische Rohstoffe wie
Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Seltenerdmetalle nötig.
Bei zehn kritischen Rohstoffen komplett auf Importe angewiesen
«Die meisten benötigten Mineralien werden außerhalb der EU abgebaut
und verarbeitet, und die Versorgung erfolgt häufig aus einem einzigen
Nicht-EU-Land oder einigen wenigen Nicht-EU-Ländern», halten die
Prüfer fest.
Beispielsweise liefere China 97 Prozent des in der EU benötigten
Magnesiums, das für Wasserstoff erzeugende Elektrolyseure verwendet
werde, und die Türkei 99 Prozent des in der EU benötigten Bors, das
in Solarpaneelen verbaut wird. «Dies stellt eine Herausforderung für
die strategische Autonomie der EU dar und macht deutlich, dass die
heimische Produktion gesteigert werden muss und Ressourcen
effizienter genutzt werden müssen.»
Bei der Diversifizierung der Einfuhren gebe es noch keine greifbaren
Ergebnisse. Die EU habe zwar strategische Rohstoffpartnerschaften
unterzeichnet, dennoch seien die Einfuhren aus diesen Partnerländern
zwischen 2020 und 2024 bei etwa der Hälfte der untersuchten Rohstoffe
zurückgegangen. Verhandlungen mit den USA seien 2024 ausgesetzt
worden, das Mercosur-Abkommen mit den vier rohstoffreichen Ländern
Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay müsse noch ratifiziert
werden.
Zu wenig wertvolle Rohstoffe werden in EU recycelt
Zudem werde keines der in der EU verwendeten Seltenerdmetalle in der
EU verarbeitet und es gebe nicht genügend Ersatz und Recycling. 2024
wurden unverbindliche Ziele bis 2030 für eine Verteilung der
Rohstoffquellen, eine Steigerung der heimischen Produktion und das
Recycling der Rohstoffe festgelegt.
Die Prüfer des Rechnungshofs äußern starke Zweifel, ob diese Ziele
erfüllt werden. Sie empfehlen der Kommission unter anderem,
verbindliche Recyclingziele für einzelne kritische Rohstoffe
festzulegen und künftige Rohstoffziele gut zu begründen.
Ziel: ein weniger verwundbares Europa
«Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine
Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider
sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in
gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU
abhängig», teilte Keit Pentus-Rosimannus vom Europäischen
Rechnungshof mit, die die Prüfung leitete. Die EU müsse weniger
verwundbar werden.
Die EU-Kommission begrüßte die Bemerkungen Rechnungshofs und kündigte
an, die als besonders relevant und realisierbar identifizierten
Empfehlungen umzusetzen.
