Trumps Politik schwächt Dollar - Experten sehen Risiken Von Jürgen Krämer, dpa-AFX

03.02.2026 14:18

Trumps Wirtschaftspolitik lässt den Dollar taumeln - was bedeutet das
für Urlaubsbudget, Rohstoffpreise und die Macht der US-Währung?

Frankfurt/Main (dpa) - Das neue Jahr hat für die Weltleitwährung
US-Dollar schlecht begonnen. In den ersten Handelswochen verlor die
amerikanische Währung weiter deutlich an Wert. Seit der
Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 leidet die
amerikanische Währung mehr oder weniger stark unter der erratische
Politik des US-Präsidenten. Nachdem zu Beginn der Amtszeit für einen
Euro 1,05 Dollar gezahlt wurde, hat die amerikanische Währung etwa 20
Prozent an Wert verloren. Zuletzt lag der Kurs zeitweise über 1,20
Dollar. Mit dem Wertverlust wird auch die Rolle des Dollar als
Weltleitwährung zunehmend infrage gestellt.

Warum hat der Dollar an Wert verloren?

Es gibt mehrere Gründe für den Wertverlust der amerikanischen
Währung, aber vieles hat mit Trumps Rolle zu tun. Unter anderem wird
die wiederholte Kritik des Regierungschefs an der Zinspolitik der
US-Notenbank Fed, Beschimpfungen des Notenbankchefs Jerome Powell bis
hin zu juristischem Druck auf Mitglieder der Notenbank als ein
wesentlicher Grund für die Flucht der Anleger aus dem US-Dollar
gesehen.

Für große Verunsicherung sorgte im ersten Jahr der zweiten Amtszeit
von Trump zudem die aggressive und oftmals erratische Zollpolitik,
die Anleger immer wieder an Investitionen in den Dollar zweifeln
ließ. Hinzu kommen direkte Eingriffe des Präsidenten am Kapitalmarkt,
die das Vertrauen der Anleger erschüttern. So will Trump
beispielsweise bei Rüstungsunternehmen Dividendenausschüttungen und
Aktienrückkäufe begrenzen. Stattdessen solle der Gewinn in die
Produktion gesteckt werden. 

Wird es mit dem Dollarkurs weiter nach unten gehen?

«Der Kurzfristtrend spricht gegen den US-Dollar», beschreibt Analyst
Chris Iggo vom Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management die
Marktlage. Die Stimmung für den Dollar sei zwar schlecht, die
US-Wirtschaft nach einem Jahr unter Trump aber immer noch stabil. Als
mitentscheidend für die Kursentwicklung des Dollars in den kommenden
Monaten sehen Experten die weitere Entwicklung der Zinsen.

Zuletzt hatte die US-Notenbank die Leitzinsen im Dezember gesenkt.
Bei der jüngsten Sitzung im Januar wurden die Zinsen stabil gehalten.
Am Markt wird aber allgemein erwartet, dass die Zinsen in den USA in
diesem Jahr nochmals gesenkt werden. Andererseits hält die
Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen stabil, und da dürfte sich in
diesem Jahr auch nichts ändern. Alleine die Zinsentwicklung spricht
eher für einen weiter schwächeren Dollar im Handel mit dem Euro.

Warum findet Trump gut, wenn der Dollar schwach ist?

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Politik von Donald Trump:
Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte der Präsident immer wieder
deutlich gemacht, dass er ein Befürworter eines schwächeren Dollar im
Vergleich zu anderen wichtigen Währungen ist. Das fördert die
amerikanische Exportwirtschaft, die ihre Waren auf dem Weltmarkt
günstiger anbieten kann. Wenn die Exporte steigen, sollte sich dann
auch das Handelsdefizit der USA mit anderen Ländern wie zum Beispiel
Deutschland verringern, was Trump schon länger ein Dorn im Auge ist.

Allerdings wird hierbei ausgeblendet, dass es neben den Wechselkursen
weitere wesentliche Gründe für eine erfolgreiche Exportwirtschaft
gibt. Außerdem bestehen begründete Zweifel, dass die Unternehmen in
den USA über genügend Produktionskapazitäten verfügen, um die
Exportziele des Präsidenten erreichen zu können. Außerdem wird der
Bereich Dienstleistungen von Trump konsequent ausgeklammert, der
einen wesentlichen Anteil an der Stärke der US-Wirtschaft hat.

Welche Rolle spielt der Dollarkurs für die Preise von Rohstoffen?

Für den Handel mit Rohstoffen spielt der US-Dollar eine wesentliche
Rolle, weil die Geschäfte mit Energierohstoffen oder mit Metallen in
der Regel in der amerikanischen Währung abgewickelt werden. Das
bedeutet: Eine Kursschwäche des Dollar macht die Rohstoffe auf dem
Weltmarkt günstiger, was die Nachfrage verstärkt und die Preise nach
oben treibt. Dies kann unter anderem beim Handel mit Rohöl oder auch
bei Gold für Bewegung bei den Preisen sorgen.

Was bedeutet der schwache Dollar für Reisen in die USA?

Auch hier spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle. Ein günstiger
Dollarkurs erlaubt es Reisenden, Waren in den USA günstiger
einzukaufen. Das kann sich beispielsweise bei kostspieligen
elektronischen Geräten als vorteilhaft erweisen. Allerdings sollte
dann aber auch darauf geachtet werden, dass die Einfuhr von US-Waren
ab einer gewissen Menge angemeldet werden muss, damit es bei der
Zollkontrolle am Flughafen nicht zu unangenehmen Überraschungen
kommt.

Gefährden die Kursverluste den Dollar als Weltleitwährung?

Ein Blick auf die Kursentwicklung des Dollar in den vergangenen
Jahrzehnten zeigt: Die US-Währung müsste noch viel stärker fallen, um

an frühere Schwächephasen heranzukommen. Beispielsweise wurden 2008
für einen Euro zeitweise bis zu 1,60 Dollar gezahlt. «Ein schwächerer

Dollar bedeutet nicht automatisch ein schwächeres Amerika», sagte
Analyst Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset Management. Es
sei durchaus möglich, dass eine starke US-Wirtschaft und eine
schwächere Währung lange Zeit nebeneinander bestehen können.

Zudem hat eine Personalentscheidung des US-Präsidenten dem US-Dollar
zuletzt wieder ein Stück weit Auftrieb verliehen. Mit der Nominierung
von Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der
US-Notenbank gehen viele Beobachter davon aus, dass die Zinsen in den
USA vielleicht doch nicht so stark gesenkt werden, wie Trump das in
den vergangenen Monaten immer wieder gefordert hat. Zu guter Letzt
sehen die meisten Experten noch immer keinen Ersatz für den Dollar
als Weltleitwährung.