EZB hält Leitzinsen konstant
05.02.2026 14:19
Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert - und dabei dürfte es
vorerst auch bleiben. Für Sparer muss das nicht schlecht sein. Die
Notenbank dagegen hat eine Sorge mehr mit dem starken Euro.
Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) tastet die
Leitzinsen auch im neuen Jahr zunächst nicht an. Der für Banken und
Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die
Notenbank in Frankfurt mitteilte.
Seit nunmehr fünf Sitzungen in Folge hat der EZB-Rat die Leitzinsen
unverändert gelassen. Bis Juni hatte es eine Serie von Senkungen
gegeben: Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken
erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei
4,0 Prozent.
Inflation im Griff
Die EZB hat gute Gründe abzuwarten. Die Inflation, die nach Beginn
des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 nach oben geschnellt
war, ist eingedämmt. Und der Wirtschaft tun niedrigere Leitzinsen
gut: Kredite für Firmen und Verbraucher werden tendenziell günstiger,
was bei größeren Anschaffungen helfen und das Wachstum anschieben
kann.
Im Januar ging die Teuerungsrate im Euroraum weiter zurück und
erreichte einer ersten Eurostat-Schätzung zufolge mit 1,7 Prozent den
tiefsten Stand seit September 2024. Die EZB strebt stabile Preise für
den Währungsraum bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an. Auch die
Konjunktur in der Eurozone hält sich trotz des Zollstreits mit den
USA robust, sodass es vorerst keinen Druck für die EZB gibt, die
Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu stützen.
Etwas mehr Zinsen für Sparer
Von der verlängerten Zinspause und gestiegenen Kapitalmarktzinsen
profitieren Sparer etwas, wie eine Analyse des Vergleichsportals
Verivox zeigt (Stand 2.2.2026). Demnach stiegen die Zinsen bei
Festgeld mit zehn Jahren Laufzeit auf im Schnitt 2,49 Prozent. Das
ist ein Viertelprozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim Tagesgeld
bekommen Sparer etwas bessere Konditionen. In den ersten Wochen des
Jahres seien die Sparzinsen über alle Laufzeiten gestiegen.
Das Ratgeberportal «Finanztip» berichtet ebenfalls über verbesserte
Konditionen für Tagesgeld: 2,92 Prozent Zinsen seien im besten Fall
für die kommenden sechs Monate für Sparerinnen und Sparer drin,
kurzfristig sogar 3,2 Prozent. Mit solchen Angeboten wollen Anbieter
im hart umkämpften deutschen Markt neue Kundschaft locken. Experten
raten jedoch, vor allem darauf zu achten, ob das Geld bei der
jeweiligen Bank wirklich sicher ist.
Neues Problem: Trumps Politik schwächt Dollar
Für Handlungsdruck bei der EZB könnte das Erstarken des Euro sorgen,
der jüngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar übersprang - erstmals
seit 2021. Mit der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald
Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den Finanzmärkten gelitten,
was den Dollar-Kurs sinken und den Euro aufwerten lässt.
Die Aufwertung des Euro belastet Europas Exporteure, nicht zuletzt
deutsche Firmen, da ihre Waren auf den Weltmärkten teurer werden.
Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt
werden. Das dämpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige
EZB-Ziel von 2,0 Prozent ohnehin leicht unterschreiten könnte. Manche
Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher
sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck für eine
Zinssenkung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs
von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.
EZB sieht sich bislang in komfortabler Lage
Zuletzt sah sich die EZB in einer «komfortablen» Situation, wie
Präsidentin Christine Lagarde wiederholt betonte. Dies gilt als
Hinweis, dass die Leitzinsen vorerst stabil bleiben. Die EZB will zu
stark steigende Preise vermeiden, aber auch dauerhaft sinkende
Preise: Rechnen Verbraucher und Unternehmen mit Nachlässen, könnten
sie Anschaffungen verschieben, was die Wirtschaft bremst.
