EZB geht mit stabilen Leitzinsen in ein unsicheres Jahr Von Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa

05.02.2026 15:43

Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert - und dabei dürfte es
vorerst auch bleiben. Für Sparer muss das nicht schlecht sein. Die
Notenbank dagegen hat eine Sorge mehr mit dem starken Euro.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) tastet die
Leitzinsen auch im neuen Jahr zunächst nicht an. Der für Banken und
Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die
Notenbank in Frankfurt mitteilte. 

Seit nunmehr fünf Sitzungen in Folge hat der EZB-Rat die Leitzinsen
unverändert gelassen. Bis Juni hatte es eine Serie von Senkungen
gegeben: Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken
erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei
4,0 Prozent.

Lagarde: Sind in einer guten Position

«Für den weiteren Jahresverlauf rechne ich nicht mit größeren
Zinsveränderungen», prognostiziert der Chefvolkswirt des
Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR),
Andreas Bley. «Wertet der Euro stärker auf, fällt die Inflation
schneller oder verliert die Konjunktur an Tempo, dürfte sich die
Debatte über weitere Zinssenkungen verstärken.»

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte nach der Sitzung des
EZB-Rates in Frankfurt: «Wir sind in einer guten Lage und die
Inflation ist in einer guten Lage.» Die Aufwertung des Euro gegenüber
dem Dollar kommentierte die Französin betont gelassen: Der Eurokurs
sei seit März 2025 gestiegen, dies sei in den Szenarien der EZB
eingepreist.

Das Erstarken des Euro belastet Europas Exporteure, nicht zuletzt
deutsche Firmen, da ihre Waren auf den Weltmärkten teurer werden.
Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt
werden. Das dämpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige
EZB-Ziel von 2,0 Prozent ohnehin leicht unterschreiten könnte.
Lagarde versicherte: «Wir behalten die Wechselkurse stets genau im
Auge.» Ein spezielles Wechselkursziel hat die Notenbank nicht. 

Inflation im Griff

Die EZB hat gute Gründe abzuwarten. Die Inflation, die nach Beginn
des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 nach oben geschnellt
war, ist eingedämmt. Und der Wirtschaft tun niedrigere Leitzinsen
gut: Kredite für Firmen und Verbraucher werden tendenziell günstiger,
was bei größeren Anschaffungen helfen und das Wachstum anschieben
kann. 

Im Januar ging die Teuerungsrate im Euroraum zurück und erreichte
einer ersten Eurostat-Schätzung zufolge mit 1,7 Prozent den tiefsten
Stand seit September 2024. Die EZB strebt stabile Preise für den
Währungsraum bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an. Die
Euro-Währungshüter wollen zu stark steigende Preise vermeiden, aber
auch dauerhaft sinkende Preise: Rechnen Verbraucher und Unternehmen
mit Nachlässen, könnten sie Anschaffungen verschieben, was die
Wirtschaft bremst.

Zudem hält sich die Konjunktur in der Eurozone trotz des Zollstreits
mit den USA robust, sodass es auch hier vorerst keinen Druck für die
EZB gibt, die Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu stützen. 

Etwas mehr Zinsen für Sparer

Von der verlängerten Zinspause und gestiegenen Kapitalmarktzinsen
profitieren Sparer etwas, wie eine Analyse des Vergleichsportals
Verivox zeigt (Stand 2.2.2026). Demnach stiegen die Zinsen bei
Festgeld mit zehn Jahren Laufzeit auf im Schnitt 2,49 Prozent. Das
ist ein Viertelprozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim Tagesgeld
bekommen Sparer etwas bessere Konditionen. In den ersten Wochen des
Jahres seien die Sparzinsen über alle Laufzeiten gestiegen.

Das Ratgeberportal «Finanztip» berichtet ebenfalls über verbesserte
Konditionen für Tagesgeld: 2,92 Prozent Zinsen seien im besten Fall
für die kommenden sechs Monate für Sparerinnen und Sparer drin,
kurzfristig sogar 3,2 Prozent. Mit solchen Angeboten wollen Anbieter
im hart umkämpften deutschen Markt neue Kundschaft locken. Experten
raten jedoch, vor allem darauf zu achten, ob das Geld bei der
jeweiligen Bank wirklich sicher ist.

Trumps Politik schwächt Dollar 

«Der jüngste Rückgang der Inflation unter zwei Prozent gibt derzeit
keinen Anlass zu geldpolitischem Handeln», sagt Florian Heider,
wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für
Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt. Dies sei vor allem auf
niedrige Energiepreise zurückzuführen, ein Effekt, der sich im
Jahresverlauf wohl nicht fortsetzen werde. «Jedoch sollte der starke
Euro aufmerksam beobachtet werden», rät Heider.

Der Euro hatte jüngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar
übersprungen - erstmals seit 2021. Mit der unberechenbaren Politik
von US-Präsident Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den
Finanzmärkten gelitten, was den Dollar-Kurs sinken und den Euro
aufwerten lässt.

Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin
Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck für
eine Zinssenkung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte einen
Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.