KI bei WhatsApp - EU droht Meta mit Zwangsmaßnahmen
09.02.2026 13:05
Künstliche Intelligenz soll Nutzern auch in Messenger-Apps helfen.
Der Marktführer WhatsApp vom Meta-Konzern lässt laut EU-Kommission
aber nur eine KI zu: «Meta AI». Brüssel will das ändern.
Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission droht dem WhatsApp-Konzern
Meta wegen der Künstlichen Intelligenz (KI) in der App mit
einstweiligen Zwangsmaßnahmen. Nach den vorläufigen Ergebnissen einer
Untersuchung verstößt der US-Konzern gegen Wettbewerbsrecht, weil er
konkurrierenden Anbietern von KI keinen Zugang zu dem
Messenger-Dienst gewährt, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.
Das Verhalten von Meta berge die Gefahr, dass Wettbewerber daran
gehindert werden, in den schnell wachsenden Markt für KI-Assistenten
einzutreten oder dort zu expandieren. Meta hatte demnach im Oktober
angekündigt, dass es KI-Anbietern untersagen werde, eine Option in
WhatsApp für die Kommunikation mit Kunden zu nutzen, wenn KI der
primäre angebotene Dienst sei.
Das führe laut EU-Kommission dazu, dass für Nutzerinnen und Nutzer
nur Metas eigene KI («Meta AI») zur Verfügung stehe. Der KI-Chatbot
kann Texte zusammenfassen, übersetzen, erstellen sowie Fragen
beantworten und nutzt dabei auch aktuelle Informationen aus dem
Internet. Er funktioniert ähnlich wie etwa ChatGPT, Gemini und andere
KI-Modelle. Wer die KI nutzen möchte, kann dafür in der App einen
Chat mit ihr starten.
EU-Kommission spricht von «schwerem und irreparablen Schaden»
Die EU-Kommission wacht in der EU über die Einhaltung des
Wettbewerbsrechts. Die Brüsseler Wettbewerbshüter drohen nun, den
Zugang für Konkurrenten auf dem KI-Markt mit Zwangsmaßnahmen
wiederherzustellen. Sie wollten damit verhindern, dass die
Geschäftspolitik von Meta «dem Markt schweren und irreparablen
Schaden zufügt». Vizepräsidentin der EU-Kommission und
Wettbewerbsbeauftragte Teresa Ribera sagte, man könne nicht zulassen,
dass dominante Tech-Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung
illegal ausnutzen, um sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen.
Wie genau die EU-Kommission vorgehen würde, um den Konkurrenten von
Meta Zugang zu WhatsApp zu gewähren, blieb zunächst unklar. Meta hat
aber ohnehin zunächst das Recht sich zu verteidigen oder Anpassungen
zu treffen - kann das Eingreifen Brüssels also noch abwenden. Zudem
ist die laufende Untersuchung in dem Fall noch nicht endgültig
abgeschlossen. Bis wann die Ermittlungen beendet sind, bleibt unklar
- eine gesetzliche Frist gibt es nicht.
Ein Sprecher von Meta teilte mit, es gebe keinen Grund für die EU
einzugreifen. «Es gibt viele KI-Optionen, die über App-Stores,
Betriebssysteme, Geräte, Websites und Industriepartnerschaften
genutzt werden können», argumentierte der Sprecher. Die EU-Kommission
gehe fälschlicherweise davon aus, dass die Schnittstelle bei WhatsApp
ein wichtiger Vertriebskanal für diese Chatbots sei.
Gegen den Facebook-Konzern Meta laufen bereits Verfahren der EU wegen
Verstößen gegen europäische Digitalgesetze. Ihm drohten etwa wegen
mangelnder Datentransparenz und dem Umgang mit illegalen Inhalten auf
seinen Plattformen hohe Geldstrafen, hatte die Kommission Ende
Oktober mitgeteilt.
EU-Digitalpolitik sorgt für Spannungen mit den USA
Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte in Bezug auf die Digitalgesetze von
«institutionalisierter Zensur» gesprochen. US-Präsident Donald Trump,
dessen politischem Lager Zuckerberg nähergerückt war, hatte die
EU-Regeln als wettbewerbsfeindlich bezeichnet. Washington übte
zuletzt zunehmend Druck auf Brüssel aus, die EU-Digitalgesetze nicht
weiter gegen US-Unternehmen durchzusetzen.
Allerdings bezog sich die Kritik oft auf das Gesetz über digitale
Dienste (Digital Services Act, kurz DSA), nicht auf das europäische
Wettbewerbsrecht. Daher könnte eine mögliche US-Reaktion in diesem
Fall zurückhaltender ausfallen. Auch in den Vereinigten Staaten
liefen schon Verfahren wegen möglicher Wettbewerbsverstöße. Die
US-Regierung war im vergangenen Jahr vor Gericht mit dem Versuch
gescheitert, die Abtrennung von Instagram und WhatsApp vom
Facebook-Konzern Meta zu erzwingen.
