EU-Abgeordnete: Europol soll im Epstein-Skandal ermitteln

10.02.2026 04:00

Nach der jüngsten Veröffentlichung von Epstein-Akten sind auch
ehemalige europäische Regierungsvertreter ins Visier der Behörden
geraten. EU-Abgeordnete fordern den Einsatz von Europol.

Brüssel (dpa) - Zur Aufklärung des Epstein-Skandals sollen nach
Ansicht von Europaabgeordneten auch EU-Behörden beitragen. Die
Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im
Europäischen Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sagte
dem «Handelsblatt»: «Europäische Institutionen wie Europol und die

zuständigen EU-Geldwäschebehörden sollten vorhandene Erkenntnisse
umgehend und systematisch auswerten und, wo erforderlich, eng mit
internationalen Partnern zusammenarbeiten.» Gerade
grenzüberschreitende Netzwerke ließen sich nur gemeinsam wirksam
aufklären.

Nach der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten zum Fall Epstein
sind ehemalige europäische Regierungsvertreter wegen finanzieller
Verflechtungen mit dem Sexualstraftäter ins Visier der Behörden
geraten. Gegen den früheren britischen Wirtschaftsminister Peter
Mandelson laufen Ermittlungen, weil er während der Finanzkrise
sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben soll. In
Frankreich prüfen die Behörden Vorwürfe wegen möglichen Steuerbetru
gs
gegen den früheren Kulturminister Jack Lang. 

Grüne: Auch Hinweisen auf Geldwäsche nachgehen

Auch der Vize-Vorsitzende der Grünen im EU-Parlament, Sergey
Lagodinsky, hält eine europäische Aufarbeitung des Skandals für
geboten. «Wo es belastbare Hinweise auf grenzüberschreitende
Kriminalität, Geldwäsche oder politische Einflussnahme gibt, darf das
kein rein nationales Thema bleiben», sagte er dem «Handelsblatt».
«Wenn transnationale Geldflüsse oder organisierte Strukturen im Raum
stehen, ist eine koordinierte Auswertung durch Europol und die
EU-Geldwäschebehörden richtig» - ergänzend zu nationalen Ermittlung
en
und unter klarer parlamentarischer Kontrolle.

Strack-Zimmermann sagte, die bisherigen Epstein-Enthüllungen «werfen
schwerwiegende Fragen auf, die nicht an kontinentalen und nationalen
Grenzen haltmachen dürfen». Sollten politische Entscheider,
wirtschaftliche Akteure oder Finanzströme durch Kompromittierung und
Erpressung beeinflusst worden sein, sei das «ein
sicherheitspolitisches Problem auch für Europa». Sollten sich zudem
Hinweise auf eine gezielte ausländische Einflussoperation bestätigen,
wäre das alarmierend, fügte die FDP-Politikerin hinzu. «Wir wissen,
dass autoritäre Regime gezielt Schwachstellen einzelner Akteure
suchen, um Demokratien von innen heraus zu destabilisieren.»

Der 2019 gestorbene US-Multimillionär Jeffrey Epstein hatte jahrelang
einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und
Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu
höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.