Macron drängt auf EU-Schulterschluss gegen USA und China
10.02.2026 10:56
Frankreichs Präsident Macron fordert mehr Investitionen und
gemeinsame Schulden in der EU, um wirtschaftlich mit China und den
USA mithalten zu können.
Paris (dpa) - Vor einem informellen EU-Gipfel zur
Wettbewerbsfähigkeit hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf
einen Schulterschluss Europas gepocht, um sich China und den USA
gegenüber wirtschaftlich zu behaupten. Europa müsse verstärkt
investieren, seine Wirtschaft schützen, neue Handelsbündnisse
schließen und sich souveräner aufstellen, sagte Macron im Interview
mit mehreren europäischen Zeitungen, darunter die «Süddeutsche
Zeitung» und «Le Monde».
«Ich sage Ihnen: Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren
weggefegt», meinte Macron. «Wir müssen Europa als Macht denken, die
wir gemeinsam schaffen. Wir müssen uns vor dem Rest der Welt schützen
können, wir müssen versuchen, unser Modell zu verbreiten.» Europa
müsse aufwachen und geopolitisch erwachsen werden, sagte Macron vor
dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag, bei dem
sie über die Auswirkungen des neuen geopolitischen und
geoökonomischen Umfelds auf die Wettbewerbsfähigkeit der EU beraten
wollen.
Mehr Investitionen in Zukunftstechnologien
«Wir investieren nicht genug in Verteidigung und Sicherheit, in
Technologien und ökologischen Wandel, in künstliche Intelligenz und
Quantentechnologie», sagte der französische Präsident. «Das sind di
e
drei Schlachten, die es zu schlagen gilt. Wir investieren viel
weniger als die Chinesen und die Amerikaner.» Nötig seien gemeinsame
europäische Investitionen.
«Für zukunftsorientierte Ausgaben müssen wir eine gemeinsame
Verschuldungskapazität schaffen, also für Verteidigung, grüne
Technologien, künstliche Intelligenz und Quantencomputer», sagte
Macron. «Wenn wir dies in angemessenem Umfang und Tempo tun wollen,
müssen wir jetzt unsere Maßnahmen mit privaten Ersparnissen und dem
europäischen Haushalt durch Eurobonds für die Zukunft ergänzen, und
zwar genau in diesen drei Bereichen.» Dabei gehe es nicht um die
Vergemeinschaftung bereits bestehender Schulden, sagte der Staatschef
des hoch verschuldeten Frankreichs.
Alternative zum Dollar
Der Weltmarkt habe zunehmend Angst vor dem amerikanischen Dollar und
suche nach Alternativen, so Macron. «Bieten wir ihm europäische
Schulden an.» Für alle Investoren weltweit sei ein demokratischer
Rechtsstaat ein enorm attraktiver Faktor. «Es handelt sich also um
eine einmalige Gelegenheit, die es auch ermöglichen würde, die
Vorherrschaft des Dollars anzugehen.»
