EU-Chefdiplomatin: Russland gewinnt nicht - EU kann fordern

10.02.2026 17:24

Mehr Verluste, schwierige Rekrutierung: Russland steckt laut
EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas in der Klemme. Kann die EU in den
Friedensverhandlungen Forderungen stellen?

Brüssel (dpa) - Geheimdiensterkenntnisse deuten nach Angaben von
EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas nicht auf einen bevorstehenden
russischen Durchbruch im Angriffskrieg gegen die Ukraine hin.
«Russland gewinnt nicht. Im Gegenteil: Die Verlustraten steigen
deutlich», sagte Kallas im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur
und anderen großen Nachrichtenagenturen. Die Regierung in Moskau
stehe nun vor dem Problem, dass sie zur Rekrutierung von zusätzlichen
Soldaten entweder die Zahlungen erhöhen oder eine neue Mobilmachung
einleiten müsste. «Sie sind in einer schwierigen Lage», sagte sie.

Die Außenbeauftragte kündigte zudem an, dass sie bei den EU-Staaten
dafür werben will, sich in dem von US-Präsident Donald Trump
initiierten Verhandlungsprozess für deutlich weitreichendere
Zugeständnisse Russlands einzusetzen. Vorschläge dazu sollten beim
nächsten Außenministertreffen in knapp zwei Wochen diskutiert werden.

Kallas sieht Europäer in guter Ausgangslage für Forderungen

«Wenn die USA keine Zugeständnisse von den Russen verlangen, ist es
Sache der Europäer, das zu tun», sagte Kallas. Die Russen und auch
die Amerikaner müssten verstehen, dass es die Europäer für einen
dauerhaften Frieden brauche, betonte sie in Anspielung auf
Finanzierungsfragen und die Beteiligung an Sicherheitsgarantien. In
diesem Kontext könne man europäische Zusagen an Bedingungen für
Russland knüpfen. Die Ukrainer seien bereits stark unter Druck
gesetzt worden, sagte sie.

Als eine mögliche Forderung nannte Kallas Beschränkungen für die
militärischen Fähigkeiten Russlands. «Nicht die ukrainische Armee ist

das Thema. Es ist die russische Armee, es sind die russischen
Militärausgaben», sagte sie. Wer so viel für das Militär ausgebe,
werde es auch wieder einsetzen müssen.

USA sollen bei neuen Russland-Sanktionen mitmachen

Mit Blick auf Gespräche mit US-Vertretern bei der Münchner
Sicherheitskonferenz sagte Kallas, sie habe keine sehr großen
Erwartungen. «Große Enttäuschungen entstehen aus großen Erwartungen
.
Deshalb halte ich die Erwartungen niedrig», ergänzte sie.

Interessant werde aber sein, wie sich die Vereinigten Staaten bei
einem am Rande der Sicherheitskonferenz geplanten Treffen der
Außenminister der G7-Staaten zu den Plänen für eine Ausweitung von
Maßnahmen zur Einschränkung von russischen Ölexporten positionieren.

Diese sehen vor, maritime Dienstleistungen für Schiffe zu verbieten,
die russisches Rohöl transportieren, und könnten die russischen
Einnahmen aus Energieexporten weiter deutlich reduzieren.