Was die EU-Kommission gegen Online-Mobbing tun will
10.02.2026 18:13
Leitlinien für Lehrerinnen und Lehrer, eine App nach französischem
Vorbild und KI als neuer Risikofaktor: Die Europäische Kommission
stellt einen Aktionsplan gegen Mobbing im Netz vor. Was steht drin?
Straßburg (dpa) - Die EU-Kommission will Opfer von Online-Mobbing in
Deutschland und anderen Mitgliedsländern der Union künftig mit einer
App unterstützen. Diese soll besonders Kindern und Jugendlichen
ermöglichen, Vorfälle zu melden, Beweise zu sichern und Hilfsangebote
zu bekommen, wie die Europäische Kommission in einem Aktionsplan
gegen Cybermobbing ankündigte.
Als Vorbild soll die bereits existierende französische App «3018»
dienen. Die EU-Kommission will die Vorlage dann den Mitgliedsländern
zur Verfügung stellen, wo sie an nationale Gegebenheiten angepasst
werden sollen. Die App soll dann auch auf großen Online-Plattformen
zur Verfügung stehen. «Es muss einfacher sein, zu melden, als
Menschen online zu mobben», sagte der für Kinder und Jugend
zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef.
Künstliche Intelligenz als Mobbing-Werkzeug?
Rund jedes sechste Kind zwischen 11 und 15 Jahren in Europa berichtet
nach Angaben der EU-Kommission, Opfer von Cybermobbing geworden zu
sein. Besonders gefährdet sind demnach Mädchen und junge Frauen,
Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sowie Angehörige von
Minderheiten.
Ausdrücklich thematisiert der Plan die wachsende Rolle von
Künstlicher Intelligenz (KI). Sie ermögliche neue Formen des
Cybermobbings, etwa sogenannte sexualisierte Deepfakes von Mädchen
und Frauen. Deepfakes sind mit Hilfe von KI erstellte Videos, Bilder
oder Audio-Dateien von Menschen, die täuschend echt wirken, es aber
nicht sind. Das europäische KI-Gesetz soll im dritten Quartal 2026
solche Praktiken gezielter verbieten.
Die EU-Kommission will zudem verstärkt auf Prävention setzen. Noch in
diesem Jahr plant sie etwa aktualisierte Leitlinien für Lehrkräfte
vorzulegen, die Cybermobbing explizit in die Medienbildung
einbeziehen.
EU-Verfahren gegen Online-Riesen
Kern des Rechtsrahmens gegen Hass und Hetze im Netz soll der Digital
Services Act (DSA) bleiben, der Plattformen zur sicheren Gestaltung
ihrer Dienste für Minderjährige verpflichtet. Die EU-Kommission will
die Regeln noch im laufenden Jahr überarbeiten, um Opfer von
Online-Mobbing besser zu schützen.
Auf Grundlage des DSA laufen wegen mutmaßlich mangelnden Kinder- und
Jugendschutzes bereits Verfahren etwa gegen den Facebook- und
Instagram-Konzern Meta oder den Betreiber mehrerer Pornoseiten. Die
europäischen Digitalregeln hatten zuletzt immer wieder zu Spannungen
mit den USA geführt.
