Bundesbankchef offen für gemeinsame europäische Schulden
11.02.2026 16:28
Gemeinsame europäische Schulden sind ein heißes Eisen, gerade in
Deutschland ist die Skepsis bei Eurobonds groß. Nun plädiert der
Bundesbankchef dafür.
Frankfurt/Main (dpa) - Bundesbank-Chef Joachim Nagel zeigt sich offen
für gemeinsame europäische Schulden - unter bestimmten
Voraussetzungen. «Europa attraktiv zu machen bedeutet auch,
Investoren von außerhalb anzuziehen», sagte Nagel dem
Nachrichtenportal «Politico» vor dem informellen EU-Gipfel der
Staats- und Regierungschefs zur Wettbewerbsfähigkeit an diesem
Donnerstag. «Ein liquiderer europäischer Markt für sichere
europäische Vermögenswerte würde dies unterstützen.»
Die Bundesbank hatte gemeinsame europäische Schulden, auch Eurobonds
genannt, lange abgelehnt. Bereits im Herbst hatte sich Nagel aber
offen dafür gezeigt mit Blick auf die Sicherheitslage. «Tradition ist
etwas, das die Realität der Vergangenheit widerspiegelt», sagte Nagel
im Gespräch mit «Politico» und betonte, dass die Sicherheit Europas
seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so bedroht gewesen sei wie heute.
«Jetzt haben wir eine andere Realität.»
Nagel nannte allerdings mehrere Bedingungen. Ein europäisches
Vermögen dürfe nur bestimmte Zwecke unterstützen und müsse von den
europäischen Behörden und den Mitgliedstaaten streng kontrolliert
werden. «Europäische Schulden sind kein Gratisgeschenk», sagte
Nagel.
Medien: EZB plädiert für Eurobonds
«Politico» und dem «Handelsblatt» zufolge plädiert auch die
Europäische Zentralbank (EZB) für eine dauerhafte gemeinsame
Schuldenaufnahme in Form von Eurobonds. Die deutsche
Wirtschaftszeitung zitiert aus einem Schreiben der Notenbank mit
Reformvorschlägen an die EU-Spitzen und die Staats- und
Regierungschefs für die EU-Klausur zur Wettbewerbsfähigkeit. Eine
Stellungnahme der EZB lag der dpa dazu zunächst nicht vor.
Eurobonds in Deutschland stark umstritten
Deutschland hat traditionell eine ablehnende Haltung gegenüber
gemeinsamen EU-Schulden und stimmt nur in absoluten Ausnahmefällen zu
- wie etwa für den Corona-Aufbaufonds oder jüngst für die weitere
Finanzierung der von Russland angegriffenen Ukraine. Länder wie das
hochverschuldete Frankreich oder auch Belgien plädieren immer wieder
für Eurobonds.
Erst am Dienstag hatte die Bundesregierung Forderungen des
französischen Präsidenten Emmanuel Macron nach einer gemeinsamen
Schuldenaufnahme für Investitionen in Europas Wettbewerbsfähigkeit
zurückgewiesen. Macron hatte im Interview mit mehreren Zeitungen
gesagt: «Für zukunftsorientierte Ausgaben müssen wir eine gemeinsame
Verschuldungskapazität schaffen, also für Verteidigung, grüne
Technologien, künstliche Intelligenz und Quantencomputer.»
