Reeder fordern längeren EU-Schutz für Schiffe im Nahen Osten
11.02.2026 16:25
Angriffe auf Frachter, Umwege um Afrika, Millionen Container in
Gefahr: Warum Reeder auf einen längeren EU-Schutz im Nahen Osten
drängen.
Hamburg (dpa) - Angesichts der Spannungen zwischen Iran und den USA
hat der Verband Deutscher Reeder (VDR) zum Schutz der internationalen
Handelsschifffahrt im Nahen und Mittleren Osten eine Verlängerung der
EU-Marineoperation «Aspides» angemahnt. «Unsere Seeleute und unsere
Schiffe dürfen nicht zwischen die Fronten geopolitischer
Auseinandersetzungen geraten», sagte VDR-Hauptgeschäftsführer Martin
Kröger. Die zivile Schifffahrt müsse aus militärischen Konflikten
herausgehalten und, wo notwendig, geschützt werden. Die Operation
«Aspides» läuft Ende des Monats aus.
Operation «Aspides» Reaktion auf Huthi-Miliz
Die Operation ist die Reaktion der Europäischen Union auf die
radikalislamische Huthi-Miliz, die Mitte November 2023 vom Jemen aus
Angriffe auf die internationale Schifffahrt, insbesondere im Roten
Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab, gestartet hatte. In der Folge
griff sie nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 130
internationale Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden an. Die
Folge: Reedereien mussten über das Kap der Guten Hoffnung ausweichen.
Für den VDR sind die Straße von Hormus sowie die Route durch das Rote
Meer jedoch von entscheidender Bedeutung. Rund 20 Prozent des global
gehandelten Rohöls würden über die Straße von Hormus transportiert.
Zugleich sei die Golfregion ein zentraler Knotenpunkt des
Containerverkehrs. Allein der Hafen Jebel Ali in Dubai schlug den
Angaben zufolge 2024 rund 15,5 Millionen Standard-Container (TEU) um
- etwa doppelt so viel wie der Hamburger Hafen im selben Zeitraum.
Erste positive Zeichen im Roten Meer gefährdet
Aber auch die Route durch das Rote Meer mit dem Suezkanal sei sehr
wichtig: Rund zwölf Prozent des weltweiten Seehandels und etwa 30
Prozent des globalen Containerverkehrs liefen über diese Achse. Es
gebe dort zwar erste positive Signale - die Hamburger Reederei
Hapag-Lloyd etwa wagt von Mitte des Monats an wieder Fahrten durch
den Suezkanal - aber gleichwohl könnte eine Eskalation der Spannungen
in der Region die Sicherheitslage wieder verschärfen und Angriffe der
mit Iran verbündeten Huthi-Milizen begünstigen.
Nach den schweren Massenprotesten im Iran, die der staatliche
Sicherheitsapparat brutal niederschlug, hatte US-Präsident Donald
Trump der iranischen Führung mit einem militärischen Eingreifen
gedroht. Unter anderem schickte er den Flugzeugträger «USS Abraham
Lincoln» in die Region, um die US-Militärpräsenz zu stärken.
