Von der Leyen: Mehr Geld aus Klimazertifikaten für Industrie

11.02.2026 16:53

Spitzenpolitiker und Manager treffen sich, um die schwierige Lage der
europäischen Industrie zu besprechen. Die Chefin der EU-Kommission
stellt dabei Forderungen an EU-Mitgliedsländer.

Antwerpen (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
dringt darauf, dass mehr Einnahmen aus Klimazertifikaten in die
Industrie zurückfließen. Die Mitgliedstaaten investierten weniger als
fünf Prozent der Einnahmen in die Vermeidung von CO2-Emissionen in
der Industrie, sagte sie bei einem Treffen von europäischen
Industrievertretern und Politikern im belgischen Antwerpen mit etwa
500 Teilnehmenden.

Die Einnahmen kommen aus dem Emissionshandelssystem (ETS), das 2005
eingerichtet wurde, um Treibhausgasemissionen einzusparen. Dies gilt
bisher für die Industrie und den Energiesektor: Bestimmte Unternehmen
müssen Zertifikate für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie
Kohlendioxid (CO2) vorweisen und können nach Bedarf auch damit
handeln. Das soll als Anreiz dienen, um Treibhausgase einzusparen.

«Auf europäischer Ebene wurden 100 Prozent dieser Einnahmen wieder in
industrielle Innovation reinvestiert», betonte von der Leyen. Ein
Beispiel dafür sei die mit 100 Milliarden Euro ausgestattete Bank für
industrielle Dekarbonisierung. Über dieses Instrument sollen
finanzielle Mittel bereitgestellt werden für Projekte, die Industrie
und Wirtschaft klimafreundlich machen. Unter anderem wird das
Instrument aus Einnahmen des ETS finanziert.

Die Mittel stammten aus der Industrie und sollten auch dort
reinvestiert werden, sagte von der Leyen. Dies werde ein zentraler
Schwerpunkt der anstehenden ETS-Reform im Sommer sein.

Von der Leyen: Mehr Zuschläge für «Made in Europe»

Zudem zeigte sich die deutsche Politikerin in ihrer Rede erneut offen
für einen französischen Vorschlag, bei öffentlichen Investitionen
verpflichtende Quoten für europäische Produkte einzuführen. Das
öffentliche Beschaffungswesen sei ein mächtiger Hebel für die
Industrie. Zu oft müssten öffentliche Auftraggeber subventionierte
ausländische Produkte statt der europäischen Alternativen kaufen. Die
EU-Kommission werde spezifische EU-Quoten für strategische Sektoren
einführen, sagte von der Leyen im Hinblick auf einen
Gesetzesvorschlag der noch in diesem Monat kommen soll.

Auch in einem Brief an die 27 Staats- und Regierungschefs vor dem
EU-Gipfel am Donnerstag hatte von der Leyen das Thema aufgegriffen
und es gleichzeitig an Bedingungen geknüpft. Eine bevorzuge
Behandlung europäischer Firmen müsse mit den industriellen
Prioritäten in Einklang stehen und auf einer soliden wirtschaftlichen
Analyse beruhen.