Kallas und Gabriel fordern EU-Schulden für Verteidigung
12.02.2026 02:45
Deutschland sollte bei der EU-Verteidigung Gemeinschaftsschulden
zulassen - das meint nicht nur der frühere Außenminister. Er warnt
vor zu langem Zögern angesichts russischer Truppen an Polens Grenze.
Berlin (dpa) - Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat sich kurz vor
der Münchner Sicherheitskonferenz für gemeinsame europäische Schulden
zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben ausgesprochen. Die
gemeinsame Kapitalaufnahme mache Kredite für alle günstiger, sagte
Kallas im Gespräch mit «Table.Briefings». Deshalb sei dieser Schritt
sinnvoll - auch wenn sie «die Sensibilitäten in der deutschen
öffentlichen Debatte» darüber sehr gut verstehen könne. Die EU habe
schon während der Corona-Pandemie gemeinsame Schulden aufgenommen,
und genau wie damals habe man es jetzt wieder mit einer Bedrohung für
ganz Europa zu tun, sagte Kallas, die zu den vehementesten Kritikern
von Russlands Präsident Wladimir Putin zählt.
Auch der Vorsitzende der Atlantik-Brücke und frühere deutsche
Außenminister Sigmar Gabriel hält neue EU-Gemeinschaftsschulden für
Rüstungsprojekte für unausweichlich. Die Deutschen dürften «nicht
länger die finanzpolitischen Taliban in Europa spielen», sagte der
ehemalige SPD-Vorsitzende der Funke-Mediengruppe. Die deutsche
Position sei immer, dass Verteidigungsausgaben eine Sache der
nationalen Haushalte seien, aber auch hierzulande könnten sie ja zum
großen Teil nur noch über Schulden finanziert werden.
Gabriel: Nicht warten, bis erste Drohne über Berlin fliegt
In seinem von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Bericht habe
Mario Draghi - der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank -
zu Recht empfohlen, zur Finanzierung der europäischen Verteidigung
auch gemeinschaftlich Schulden aufzunehmen, sagte Gabriel. Das sei
zwar teuer und berge auch Risiken. «Aber russische Truppen an der
Grenze zu Polen sind ein größeres Risiko und übrigens auch teurer.»
Für die EU werde die Not «jeden Monat größer, schon wegen der
Bedrohungslage», meint der Ex-Minister. «Sollen wir warten, bis die
erste Drohne über Berlin fliegt?»
Gabriel schlug zugleich vor, Deutschland solle Frankreich und Polen
bei deren Verteidigungsbemühungen zu unterstützen: «Warum bieten wir
den Franzosen nicht an, die Verteidigungsausgaben unserer beiden
Länder zusammenzubringen und mit dem deutschen AAA-Rating zu
finanzieren?» Das wäre eine enorme Entlastung für den französischen
Haushalt, so Gabriel - und würde zeigen, dass die
deutsch-französische Freundschaft tatsächlich etwas wert sei. Polen
könne unterstützt werden, indem man mehr für die bestehenden
Nato-Fonds zur Stärkung der Ostflanke zahle, schlug er vor.
