Merz und Macron demonstrieren nach Differenzen Einigkeit

12.02.2026 12:28

Vor einem EU-Gipfel wurde deutlich: Paris und Berlin wollen die
Wirtschaft auf Spur bringen - ziehen aber nicht an einem Strang.
Kanzler Merz und Präsident Macron wollen nun das Gegenteil beweisen.

Bilzen-Hoeselt (dpa) - Nach offen geäußerten deutlichen
Meinungsverschiedenheiten demonstrieren Bundeskanzler Friedrich Merz
und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Beginn eines EU-Gipfels
Geschlossenheit. Bei dem Treffen in Belgien geht es um die Frage, wie
Europa wettbewerbsfähiger werden kann. «Ich freue mich, dass Emmanuel
Macron und ich, wie fast immer, einig sind über diese Fragen», sagte
Merz bei der gemeinsamen Ankunft der beiden Spitzenpolitiker.

Macron fügte hinzu, dass man «selbstverständlich gemeinsam
nachdenke». «Ich glaube, wir teilen dieses Gefühl der Dringlichkeit,

dass unser Europa klar handeln muss», so der Franzose. 

Keine Beschlüsse zu erwarten

Da die Diskussion mit den weiteren 25 EU-Staats- und Regierungschefs
in einem flämischen Wasserschloss informeller Natur ist, sind
allerdings keine konkreten Beschlüsse zu erwarten. «Es wird keine
Entscheidung geben, sondern es gibt eine Aussprache über
Wettbewerbsfähigkeit und über die Vollendung des europäischen
Binnenmarktes», sagte Merz. Man bereite Entscheidungen vor, die beim
kommenden regulären Gipfeltreffen der EU-Spitzen Ende März in Brüssel

getroffen werden sollen. Macron sprach von einem Aktionsplan, um die
Wirtschaft wieder nach vorne zu bringen.

Streit um «Buy European»-Regel

Im Vorfeld des Treffens war sehr deutlich geworden, dass Paris und
Berlin unterschiedliche Wege verfolgten, um die ächzende europäische
Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Macron etwa plädierte
zuletzt dafür, eine «Buy European»-Regel einzuführen, und so bei
öffentlichen Investitionen europäische Produkte zu bevorzugen. Merz
setzt sich für einen zurückhaltenderen Ansatz ein und fordert
europäische Präferenzregeln nur für kritische, strategische Sektoren

sowie nur als letztes Mittel. Jüngste Forderungen Macrons danach,
gemeinsame Schulden aufzunehmen, um Investitionen anzukurbeln, wies
Berlin ebenfalls zurück.

Einig sind sich Paris und Berlin dabei, dass in Europa so schnell wie
möglich Bürokratie abgebaut werden muss. Außer über Konkurrenz aus

Drittstaaten und hohe Energiepreisen klagt die Industrie beständig
über enormen Bürokratieaufwand, der durch Umwelt- und
Nachhaltigkeitsvorgaben noch größer geworden sei.