Weniger Käse und Milch für China - Zölle auf EU-Produkte Von Johannes Neudecker und Christian Rothenberg, dpa
12.02.2026 14:34
Im eisigen Verhältnis mit Brüssel verhängt Peking erneut Zölle auf
importierte EU-Waren. Diesmal sind auch deutsche Firmen betroffen.
Warum hat China Milchprodukte untersucht?
Peking (dpa) - Nach eineinhalb Jahren ist es offiziell: China
verhängt Zölle gegen eine Reihe importierter Milchprodukte aus der
Europäischen Union. Betroffen sind laut dem Handelsministerium in
Peking auch deutsche Hersteller. Die Aufschläge beliefen sich auf bis
zu 11,7 Prozent, teilte die Behörde zum Ende der
Anti-Subventionsuntersuchung mit.
Damit setzte China die Sätze, die ab diesem Freitag gelten, niedriger
an als die im Dezember verhängten vorläufigen Zölle zwischen 21,9 und
42,7 Prozent. Die Aufschläge gelten den Angaben zufolge über die
kommenden fünf Jahre für bestimmte Sorten von frischem sowie
verarbeiteten Käse sowie Milch und Sahne über einem gewissen
Fettgehalt, die in erster Linie zum Verzehr gedacht sind.
Deutsche Unternehmen auf der Liste
Von den betroffenen Firmen aus Deutschland listete die Behörde mit
dem Deutschen Milchkontor, einen der größten Molkereibetriebe in der
Bundesrepublik auf. Zudem tauchten die in Niedersachsen ansässige
Molkerei Ammerland, die Privatmolkerei Naarmann aus dem Münsterland
sowie Arla Foods Deutschland auf, Teil der gleichnamigen
dänisch-schwedischen Großmolkereigenossenschaft.
Weitere betroffene Firmen kamen aus Frankreich, Belgien, den
Niederlanden und Italien, wie aus der Auflistung hervorging. Die
Zollsätze schwanken demnach je nach Firma zwischen 7,4 und 11,7
Prozent. Direkte Auswirkungen für Verbraucher in Europa dürften die
Zölle indes nicht haben.
Folgen für deutsche Hersteller
Der Milchindustrie-Verband stuft die Auswirkungen der geplanten Zölle
für den deutschen Milchsektor als «überschaubar» ein. Käse und Ra
hm
machten im Vergleich zu Ländern wie Italien und Frankreich nur einen
geringen Anteil an den deutschen China-Exporten aus. Von den
Maßnahmen gegen Käse sind nach Verbandsangaben vor allem Italien und
Dänemark betroffen.
Für die deutschen Exportfirmen seien die chinesischen Zölle dennoch
spürbar, sagte ein Sprecher des Verbandes. Margen und
Wettbewerbsfähigkeit im China-Geschäft würden dadurch erheblich
belastet.
Wie wichtig Chinas Markt ist
Laut der EU-Kommission exportierte Deutschland 2025 Milchprodukte im
Wert von knapp 364 Millionen Euro nach China. Daten für Dezember
liegen bislang nicht vor. Vollmilch war dabei mengenmäßig die
wichtigste Position. Im Vorjahr hatte der Exportwert bei mehr als 373
Millionen Euro gelegen. Damit entfällt knapp ein Viertel der gesamten
EU-Ausfuhren auf Deutschland.
China ist für Deutschland neben Großbritannien laut
Milchindustrie-Verband der wichtigste Drittland-Zielmarkt für
Milchprodukte. Die Ausfuhren seien seit einigen Jahren jedoch
rückläufig, weil China seine Milchproduktion deutlich ausgeweitet
habe. Im Jahr 2021 lag der Exportwert noch bei 595 Millionen Euro.
Dennoch sei der chinesische Markt für die EU sehr relevant, so der
Sprecher.
Ökonom: Branche muss neue Märkte finden
Chinas finale Zölle seien niedriger, jedoch bleibe der Marktzugang
für die Produzenten eine Sorge, sagte Ökonom Thijs Geijer von ING
Research. «China gilt seit langem als Wachstumsmarkt für Exporteure
von Milchprodukten aus der EU, aber die Exportmengen von Produkten
wie Käse standen bereits vor Einführung der Zölle unter Druck»,
erklärte er. Die Zölle Chinas aber auch der USA zeigten, dass die
Branche weitere Märkte außerhalb Europas erschließen müsse, sagte
Geijer.
Europäische Milchprodukte sind in China beliebt. Käse aus Frankreich
oder Italien sowie Milch aus Deutschland genießen einen guten Ruf.
Zudem hatten spätestens seit dem sogenannten Melamin-Skandal von
2008, bei dem Milchprodukte gepanscht wurden und sich bei Säuglingen
anschließend Nierensteine gebildet hatten, das Vertrauen chinesischer
Konsumenten in heimische Marken erschüttert.
Wie China die Zölle begründet
Seit August 2024 hatte das Handelsministerium die EU-Milchprodukte
wegen mutmaßlich unfairer Subventionen untersucht. Wie schon in
anderen Fällen gegen aus der EU importierte Schweinefleischprodukte
oder Weinbrand bestätigte Peking am Ende den Anfangsverdacht. Ein
Sprecher des Handelsministeriums betonte, die Untersuchung sei nach
Prinzipien der Fairness, Unparteilichkeit und Offenheit verlaufen.
Im aktuellen Fall erklärte die Behörde, die importierten
Milcherzeugnisse aus der EU seien subventioniert und schädigten damit
chinesische Milchprodukte-Hersteller. Zur Begründung hieß es weiter,
dass zwischen dem Schaden und den Subventionen ein kausaler
Zusammenhang bestanden habe.
Zoll-Schlagabtausch zwischen Peking und Brüssel
Pekings Untersuchungen gelten als Gegenmaßnahme zu den von Brüssel
2024 eingeführten Zöllen auf Elektroautos, die in China hergestellt
wurden. Im Fall der Milcherzeugnisse hatte sich die EU-Kommission
bereits im Dezember besorgt über die Verhängung vorläufiger
Aufschläge geäußert. Ein Sprecher hatte damals gesagt, die jüngste
Untersuchung beruhe nach Einschätzung der Behörde auf fragwürdigen
Vorwürfen und unzureichenden Beweisen. Die Maßnahmen seien
ungerechtfertigt und unbegründet.
