EVP-Chef Weber: «Das alte Amerika wird nicht zurückkommen»

13.02.2026 04:00

EVP-Chef Weber fordert auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit von den
USA, nicht mehr jeden Tweet aus Washington zu kommentieren. Vielmehr
müsse Lust auf das Entdecken eigener Wege entwickelt werden.

Berlin (dpa) - Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP),
Manfred Weber, mahnt mehr europäische Unabhängigkeit von den USA an.
«Wir müssen uns darauf konzentrieren, wie wir stärker werden - vor
allem bei Außenpolitik und Verteidigung», sagte er dem Portal «Web.de

News». «Dazu gehört auch, dass wir aufhören, jeden Tweet aus
Washington zu kommentieren. Wir sollten noch mehr Lust zeigen,
unseren eigenen Weg zu gehen.» 

Die USA hätten sich fundamental verändert, sagte der CSU-Politiker.
«Das alte Amerika wird nicht zurückkommen. Das müssen viele Europäe
r
noch verstehen.» Die EU-Mitgliedsstaaten müssten enger
zusammenarbeiten. «Wir haben 17 Panzertypen in der EU, die Amerikaner
einen. Wir verschwenden Milliarden, weil wir uns nicht abstimmen bei
diesen Investitionen», sagte Weber. Europa brauche deshalb einen
Drohnen- und Raketenschutzschirm im Osten, eine Cyber-Defense-Brigade
sowie eine eigene Satellitenüberwachung im Weltall, «damit wir bei
der Aufklärung nicht von den Daten der USA abhängig sind». 

Weber: Einstimmigkeitsprinzip bremst 

Weber räumte ein, dass das Einstimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik
die EU häufig bremse. Man müsse überlegen, ob einige Staaten in der
Außenpolitik und bei der Verteidigung vorangehen könnten. Auch bei
Gründung des Schengenraums und der Euro-Einführung seien «die
Willigen vorausgegangen. So müssen wir es jetzt in der Außen- und
Sicherheitspolitik wieder machen.» 

Europa muss aus Sicht des EVP-Vorsitzenden zudem enger mit anderen
Staaten auf der Welt zusammenarbeiten, die an einer regelbasierten
Ordnung interessiert sind. «Das wichtigste Tool ist da die
Handelspolitik.» Die neuen Freihandelsabkommen mit den
Mercosur-Staaten und Indien würden zeigen, wie das gehe. «Weil Europa
mit dem Euro und dem Binnenmarkt wirtschaftlich schon geeint ist,
können wir Zentrum einer Welt sein, in der Verlässlichkeit und
Vertrauen gelten, nicht das Recht des Stärkeren.»