Wadephul über die Nato: Jetzt schlägt die Stunde Europas
13.02.2026 12:19
In Europa gibt es längst Zweifel, ob die USA nach wie vor mit aller
Konsequenz hinter den Nato-Verpflichtungen stehen. Für Deutschland
betont der Außenminister die Konsequenzen.
München (dpa) - Außenminister Johann Wadephul sieht die europäischen
Nato-Partner angesichts lautstarker US-Forderungen in der Pflicht,
größere Beiträge zur gemeinsamen transatlantischen Verteidigung zu
liefern. «Jetzt schlägt die Stunde Europas», sagte der CDU-Politiker
kurz vor dem offiziellen Start der Münchner Sicherheitskonferenz bei
einem Treffen, an dem auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte,
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und CSU-Chef
Markus Söder teilnahmen. Dies werde sich auch beim nächsten
Nato-Gipfel in Ankara zeigen, der Anfang Juli stattfinden soll.
«Die Nato ist stärker geworden, sie ist größer geworden», sagte
Wadephul. Sie sei das erfolgreichste Verteidigungsbündnis der Welt.
Man werde die tiefen globalen Umbrüche, vor denen man stehe, «nur
bestehen, wenn wir unsere Allianzen bewahren. Wenn wir zu dem stehen,
was uns immer stark gemacht hat, was uns immer verteidigungsfähig
gemacht hat», fügte er hinzu.
Angesichts kritischer Äußerungen von US-Präsident Donald Trump und
anderen führenden Vertretern der US-Regierung sind Zweifel laut
geworden, ob die USA weiterhin mit aller Konsequenz hinter den
Nato-Verpflichtungen stehen.
Tiefe globale Umbrüche fordern Nato-Partner heraus
Deutschland stehe fest zur Nato und zur Europäischen Union und werde
weiterhin Verantwortung übernehmen, unterstrich Wadephul. Deutschland
stehe zum Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für
Verteidigung auszugeben. «Darauf werden wir jetzt in Ankara in diesem
Jahr aufbauen und das fortsetzen». Auch bei der Mission «Arctic
Sentry» der Nato in der Arktis, mit der Brigade in Litauen und bei
der Unterstützung der Ukraine übernehme Deutschland Verantwortung.
Nato-Generalsekretär Rutte lobt Deutschlands Führungsrolle
Nato-Generalsekretär Rutte lobte das deutsche Engagement:
«Deutschland wird bis 2029 doppelt so viel ausgeben wie 2021. Die
Verteidigungsausgaben werden auf über 150 Milliarden Euro steigen.
Damit weist Deutschland den richtigen Weg. Genau diese Führungsrolle
brauchen wir von Deutschland und Europa», sagte er.
Mit Blick auf die Lage in der Ukraine verwies Rutte auf die hohen
Verluste Russlands: «35.000 Tote im Dezember, 30.000 Tote im Januar.»
Wenn die Russen als mächtiger Bär empfangen werden wollten, «könnte
man argumentieren, dass sie sich in der Ukraine im Schneckentempo
bewegen».
