Milliarden für Moskau - EU kauft noch immer russisches LNG Von Katharina Redanz und Ann-Kristin Wenzel, dpa

13.02.2026 13:16

Erst in etwa eineinhalb Jahren darf per Verordnung kein Gas aus
Russland mehr in die EU importiert werden. Bislang kommt es noch via
Tanker und auch via Pipeline - und beschert Moskau Milliarden.

Brüssel (dpa) - Die EU hat im vergangenen Jahr Flüssigerdgas aus
Russland im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro importiert. Das sind
rund 3 Prozent weniger als 2024 (rund 7,6 Milliarden), wie aus Daten
der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. 

Insgesamt wurde 2025 Flüssigerdgas (LNG; liquefied natural gas) im
Wert von rund 46,0 Milliarden Euro importiert. Das meiste - für rund
24,2 Milliarden Euro - kam aus den USA. 

Warum fließt weiter Gas aus Russland in die EU?

Während die EU für fossile Energieträger wie Öl und Kohle schnell
nach der russischen Invasion der Ukraine weitgehende Einfuhrverbote
auf den Weg brachte, gab es wegen Abhängigkeiten lange keine
Gas-Sanktionen. Der Brennstoff kommt derzeit noch als Flüssigerdgas
(LNG) und durch die Pipeline Turkstream aus Russland in die
Staatengemeinschaft. Ab 2027 gilt aber ein vollständiges Importverbot
für LNG aus Russland. Die Strafmaßnahme ist Teil eines im Oktober
beschlossenen Sanktionspakets gegen Moskau.

Zudem trat Anfang des Monats eine neue Verordnung in Kraft, die
schrittweise und ab spätestens 1. November 2027 die Einfuhr
sämtlicher russischer Gaseinfuhren in die Staatengemeinschaft
untersagt. Die Verordnung soll neben einem Importverbot auch für
Pipeline-Gas aus Russland ebenso rechtliche Sicherheit schaffen:
Während die Sanktionen gegen Moskau alle sechs Monate verlängert
werden müssen und Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten erfordern,
gilt sie dauerhaft. 

Allerdings enthält die Verordnung eine Art Sicherheitsklausel, falls
die Versorgungssicherheit eines oder mehrerer Mitgliedstaaten
ernsthaft gefährdet sein sollte. Unter diesen Umständen könnte die
EU-Kommission den betroffenen EU-Ländern erlauben, Einfuhrverbote für
Gas auszusetzen. Nur wenn ein Mitgliedstaat den Notstand ausruft,
sind dann zeitlich begrenzte Lieferungen erlaubt.

Hintergrund für das Einfuhrverbot ist der russische Angriffskrieg
gegen die Ukraine. Es soll sichergestellt werden, dass sich die
EU-Staaten langfristig unabhängig von Energieimporten aus Russland
und damit weniger erpressbar machen. Zudem soll der vollständige
Importstopp es der Rohstoffgroßmacht Russland erschweren, ihren
Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren.

Sind deutsche Unternehmen betroffen?

Ja, das bundeseigene deutsche Energieunternehmen Sefe ist von dem
Einfuhrverbot betroffen. Auf Basis eines bestehenden, langfristigen
Vertrags importiert es derzeit noch weiter Flüssigerdgas aus Russland
in die EU. Das Unternehmen hieß früher Gazprom Germania, war eine
Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom und wurde als Folge des
russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der Energiekrise in
Deutschland verstaatlicht.

Hat ein Importverbot Folgen für Verbraucher?

Nach früheren Angaben der Europäischen Kommission brauchen sich
Verbraucherinnen und Verbraucher keine großen Sorgen machen. Einer
Analyse der Behörde zufolge könnten die verbleibenden Gasmengen ohne
Risiken für die Versorgungssicherheit auslaufen. Auf dem globalen
Gasmarkt gebe es genügend alternative Anbieter.