Finanzminister: Kapitalmarkt-Tempomacher sollen keine Konkurrenz sein

16.02.2026 16:42

Sie wollen Tempo in die Debatte bringen: Die Finanzminister von
Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und Spanien
sprechen ohne ihre europäischen Kollegen. Klingbeil erklärt sich.

Brüssel (dpa) - Die Finanzminister von sechs großen europäischen
Volkswirtschaften wollen mit ihren Absprachen das Zusammenwachsen der
EU-Kapitalmärkte vorantreiben. «Wir wollen die Tempomacher sein»,
sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nach dem zweiten
Treffen im 6er-Format am Rande der Eurogruppe in Brüssel. 

Mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Italien, Polen, Spanien und
den Niederlanden wolle er zu schnellen Entscheidungen kommen, die
dann in die Eurogruppe und den Rat der Finanzminister der EU getragen
werden sollen. Es gehe nicht darum, Nebenstrukturen aufzubauen, sagte
Klingbeil. Grundsätzlich ist die EU auf gemeinsame Entscheidungen
aller Mitgliedsstaaten ausgerichtet.

EU soll sicherer Hafen für Kapitalanlagen werden

«Wir wollen am Ende Lösungen für ganz Europa, und daran arbeiten wir

sechs jetzt, immer mit dem Ziel, Europas Souveränität zu stärken,
Europa gerade in diesen turbulenten Zeiten stark zu machen und daran
zu arbeiten, dass wir auch international eine stärkere Rolle
spielen», sagte Klingbeil vor Journalisten.

Als allererstes gehe es um die Kapitalmarktunion beziehungsweise die
Spar- und Investitionsunion. Man wolle «ein sicherer Hafen» für
Kapitalanlagen aus der ganzen Welt sein. Es gehe unter anderem um
eine Reform der privaten Altersversorgung und eine Stärkung der
finanziellen Bildung. 

Seit Jahren wird daran gearbeitet, bürokratische Hürden zwischen den
EU-Staaten abzubauen und die Kapitalmärkte zu verbinden, um bessere
Finanzierungsbedingungen für europäische Unternehmen zu schaffen.
Bislang ohne größeren Erfolg. Derzeit hat jeder EU-Mitgliedsstaat
seinen eigenen Kapitalmarkt mit eigenen Regeln - etwa für die
Rechtsstruktur von Unternehmen, eigenen Steuervorschriften und
eigenen Institutionen wie Börsen und Banken.

Auch von der Leyen kann sich Vorangehen vorstellen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte vergangene Woche
im Europaparlament mit Blick auf das Vorhaben gesagt, notfalls
könnten auch kleinere Ländergruppen das Zusammenwachsen der
EU-Kapitalmärkte vorantreiben. Damit dürfte sie den Vorstoß von
Klingbeil und seinen Ressortkollegen unterstützen. 

Die neue Gruppe der E6 habe verabredet, nun regelmäßig
zusammenzukommen, sagte Klingbeil.