UN-Kritik an der EU: Rückführungen nach Libyen stoppen
17.02.2026 12:12
«Ich wünschte, ich wäre gestorben»: Ein UN-Bericht zeigt, wie bruta
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Migranten in Libyen behandelt werden - und wie EU-Politik daran
mitwirkt.
Genf (dpa) - Angesichts der Zustände in Libyen hat das
UN-Menschenrechtsbüro die Europäische Union kritisiert. Das Büro rief
die EU auf, die Rückführung von Flüchtlingen und anderer Migranten in
das nordafrikanische Land zu stoppen. In Libyen würden diese Menschen
vielfach systematisch gefoltert und missbraucht.
«Ich wünschte, ich wäre gestorben, es war eine Reise durch die
Hölle», sagte eine Frau aus Eritrea, die nach eigenen Angaben sechs
Wochen eingekerkert war und vielfach vergewaltigt wurde.
Die EU führt nicht selbst Menschen nach Libyen zurück, unterstützt
dort aber Kräfte, die Abreisen verhindern sollen, und die
Küstenwache, damit sie Flüchtlingsboote stoppt, die über das
Mittelmeer nach Europa wollen. Die Stiftung für Wissenschaft und
Politik in Berlin sprach im September von «Vereinbarungen mit
Gewaltakteuren». So bildeten Griechenland und Italien Kräfte des
nicht anerkannten faktischen Herrscher in Bengasi, Chalifa Haftar,
aus, um Abreisen zu verhindern.
Im Bericht des UN-Menschenrechtsrats heißt es, die Migranten würden
Opfer krimineller Menschenhandelsnetzwerke, die oft Verbindungen zu
libyschen Behörden oder Machtstrukturen hätten.
Folter und erzwungene Prostitution
In dem Bericht werden schwere Menschenrechtsverletzungen
dokumentiert, darunter Vergewaltigungen, Folter, Zwangsarbeit und
erzwungene Prostitution. Die Mitarbeiter sprachen mit fast 100
Betroffenen aus 16 Ländern in Afrika, im Nahen Osten und in
Südasien.
Der Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, lobte
lebensrettende Suchmissionen im Mittelmeer, um Menschen zu retten.
Rückführungen nach Libyen dürfe es erst geben, wenn dort die
Einhaltung von Menschenrechtsstandards gewährleistet seien.
