Spekulationen um vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin Lagarde
18.02.2026 13:00
Erneut gibt es Berichte, Christine Lagarde könne die EZB vor Ende
ihrer Amtszeit im Oktober 2027 verlassen - aus politischen Gründen.
Die Notenbank erklärt, es sei noch keine Entscheidung getroffen.
Frankfurt/Main (dpa) - Räumt EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren
Posten vorzeitig? Ein Bericht der «Financial Times» gibt
Spekulationen, die es 2025 schon einmal gab, neue Nahrung. Demnach
wolle Lagarde noch vor der französischen Präsidentschaftswahl, die im
April 2027 stattfinden soll, die Europäische Zentralbank (EZB)
verlassen. Hintergrund sind offenbar Sorgen, dass nach den Wahlen in
Frankreich Rechtspopulisten großen Einfluss haben könnten und die
Neubesetzung der EZB-Spitze komplizierter werden könnte.
Eine Sprecherin der Notenbank in Frankfurt teilte auf Anfrage mit:
«Präsidentin Lagarde konzentriert sich voll und ganz auf ihre Aufgabe
und hat noch keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit
getroffen.» Die Formulierung weicht von früheren Aussagen der EZB ab:
Noch im vergangenen Jahr hieß es, Lagarde sei «entschlossen, ihre
Amtszeit zu Ende zu führen».
Lagarde trat ihr Amt als Nachfolgerin des Italieners Mario Draghi am
1. November 2019 an. Berufen wird der Präsident oder die Präsidentin
der EZB für acht Jahre. Lagarde ist also regulär noch bis Ende
Oktober 2027 im Amt.
Brüsseler Personalpoker um EZB-Spitze
Die Besetzung der EZB-Spitzenposten ist Teil eines Brüsseler
Personalpokers. Die Entscheidung liegt bei den Eurostaaten. Die
«Financial Times» beruft sich auf eine Person, die mit den
Überlegungen Lagardes vertraut sein soll. Demnach will die Französin
durch einen vorzeitigen Abtritt dem scheidenden französischen
Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
ermöglichen, noch vor der Wahl in Frankreich die Nachfolge für den
Spitzenposten bei einer der wichtigsten Institutionen im Euroraum zu
regeln. Wann Lagarde ihr Amt niederlegen werde, sei noch unklar,
schreibt die Zeitung.
Für die Lagarde-Nachfolge haben sich auch zwei deutsche Notenbanker
ins Gespräch gebracht: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel. Als Favoriten gelten laut
«FT» der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der
Spanier Pablo Hernández de Cos, derzeit Chef der Bank für
Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING, sieht die Chancen für
Deutschland aber gar nicht so schlecht. Da die EZB bereits zwei
französische Präsidenten gehabt habe, seien die Chancen für einen
dritten «fast gleich null», sodass sich das Rennen um die
Notenbank-Spitze auf Deutschland und Spanien beschränke.
