Ex-Präsident Thaci bekräftigt Unschuld vor Kosovo-Tribunal

18.02.2026 15:32

Ex-Präsident Thaci war einer der Führer der Kosovo Befreiungsarmee im
Unabhängigkeitskrieg. In Den Haag entscheiden nun die Richter: War er
Freiheitskämpfer oder Kriegsverbrecher?

Den Haag (dpa) - Der ehemalige Präsident des Kosovos, Hashim Thaci,
hat Vorwürfe von Kriegsverbrechen entschieden zurückgewiesen. «Ich
bin vollständig unschuldig», sagte Thaci vor dem Sondergericht zu
Kriegsverbrechen im Kosovo in Den Haag. 

Mit dem Schlusswort der Angeklagten endete nach fast drei Jahren der
Prozess gegen Thaci und drei Mitangeklagte wegen mutmaßlicher
Kriegsverbrechen - darunter Morde, Folter und Verfolgung. Die Anklage
fordert 45 Jahre Gefängnis gegen Thaci. Das Urteil wird in den
nächsten drei Monaten erwartet. Die Verteidigung forderte Freispruch.
Knapp 300 Zeugen hatten ausgesagt, und 155 Opfer waren an dem
Verfahren beteiligt. 

Anklage: Mehr als 100 politische Morde

Die vier Männer bildeten der Anklage zufolge die Führungsriege der
kosovo-albanischen Befreiungsarmee (KLA). Ihnen werden unter anderem
Mord, Folter, Entführung und Verfolgung im Befreiungskrieg 1998/1999
vorgeworfen. Nach den Worten der Anklägerin Kimberly West waren die
Angeklagten verantwortlich für den Mord an mehr als 100 politischen
Gegnern und mutmaßlichen Kollaborateuren mit den serbischen
Sicherheitskräften. «In diesem Fall geht es um das Ziel der vier
Angeklagten, die Kontrolle über ganz Kosovo zu erlangen und
auszuüben», sagte West. 

Thaci wies diese Anschuldigungen zurück: «Das ist nicht nur völlig
falsch und absolut absurd, sondern auch eine Beleidigung für
Zehntausende Opfer.» 

Er war zwischen 2008 und 2020 Ministerpräsident, Außenminister und
Präsident des Kosovo. Er war von seinem Amt zurückgetreten, um sich
dem Gericht in Den Haag zu stellen. Alle vier Angeklagten hatten
führende Positionen in der KLA und nach dem Krieg hohe politische
Ämter. 

Zeugen bedroht

Die KLA hatte von 1998 bis 1999 gekämpft, um die Unabhängigkeit des
vorwiegend von Albanern bewohnten Kosovos von Serbien zu erlangen.
Das gelang schließlich mit Hilfe der Nato. Das Sondertribunal wurde
auf internationalen Druck 2015 eingerichtet. Es gehört zum
Justizsystems des Kosovos, ist aber besetzt mit internationalen
Richtern und Anklägern. Es war aus Sicherheitsgründen nach Den Haag
verlegt worden.

Im Kosovo ist das Gericht umstritten. Führende Politiker hatten
Zeugen bedroht und versucht, das Gericht zu untergraben. Auch Thaci
steht seit dieser Woche in einem anderen Prozess vor Gericht wegen
mutmaßlicher Einschüchterung von Zeugen.