Umfrage: Mehrheit fände «Made in Europe»-Vorgaben für Firmen gut
22.02.2026 05:00
Braucht die EU härtere Regeln für lokale Produktionsanteile? Die IG
Metall sieht die Bundesregierung in der Bremserrolle - und ihre
Kritik durch eine selbst in Auftrag gegebene Umfrage bestätigt.
Frankfurt/Main (dpa) - Eine klare Mehrheit der Menschen in
Deutschland ist einer Umfrage zufolge für europarechtliche Vorgaben
bei der Industrieproduktion. In einer repräsentativen Erhebung im
Auftrag der IG Metall stimmten 70 Prozent der Befragten der Aussage
zu: «Unternehmen, die Produkte auf dem europäischen Markt verkaufen,
sollten gesetzlich verpflichtet werden, einen Teil ihrer Produktion
auch in der EU anzusiedeln.»
Entsprechende Vorgaben könnten in einem Entwurf zum sogenannten
Industrie-Beschleunigungsgesetz enthalten sein, den die EU-Kommission
in den nächsten Tagen vorstellen will. Zuletzt waren
Meinungsverschiedenheiten zur Schärfe der Regeln deutlich geworden.
So bewertete Bundeskanzler Friedrich Merz weitreichende Vorschläge
Frankreichs für ein verpflichtendes «Made in Europe»-Prinzip
kritisch, mit dem europäische Anbieter bei öffentlichen Investitionen
bevorzugt würden. Derartige Vorgaben sollten nur für kritische,
strategisch wichtige Sektoren und auch nur als letztes Mittel
eingesetzt werden, forderte der CDU-Vorsitzende.
Subventionen nur bei Produktion in Europa
In der Umfrage sprachen sich neun von zehn Teilnehmenden dafür aus,
dass Unternehmen nur dann staatlich unterstützt werden sollten, wenn
sie im Gegenzug auch Produktion und Arbeitsplätze in Europa
sicherstellen. Bei öffentlichen Aufträgen sollten aus Sicht von 83
Prozent der Befragten nur Firmen zum Zuge kommen, die sichere
Arbeitsplätze in Europa garantieren.
«Wenn die Politik Steuergelder in die Hand nimmt, muss das den
Industriestandort Europa stärken und Arbeitsplätze hier bei uns
sichern», verlangte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen
Kerner. Lokale Produktion sei die logische Antwort auf eine Welt, in
der Zölle, Subventionen und unfaire Handelspraktiken die globale
Wirtschaft bestimmen und täglich Arbeitsplätze in Europa
vernichteten. Die Gewerkschaft erwarte, dass die Bundesregierung den
«Made in Europe»-Vorstoß des EU-Industriekommissars Stéphane Séjo
urné
entschieden unterstütze.
