Ungarn blockiert Ukraine-Darlehen - Wadephul erstaunt

23.02.2026 10:14

Zum vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine will die
EU eigentlich ein klares Zeichen setzen. Scheitert das an Ungarns
Ministerpräsidenten Viktor Orban?

Brüssel (dpa) - Bundesaußenminister Johann Wadephul wirft Ungarn vor,
mit der Blockade eines wichtigen EU-Darlehens für die Ukraine seine
eigenen Ideale und Interessen zu opfern. «Ich glaube nicht, dass es
richtig ist, wenn Ungarn seinen eigenen Kampf für die Freiheit, für
die europäische Souveränität, verrät», sagte der CDU-Politiker am

Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel. Die ungarische
Position erstaune ihn. Man werde an Ungarn mit Argumenten herantreten
und diskutieren, sagte Wadephul.

Bei dem Außenministertreffen sollte eigentlich über weitere
Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine beraten
werden. Trotz der bereits im Dezember gefundenen EU-Einigung droht
Ungarn jetzt aber, ein EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90
Milliarden Euro zu blockieren. Auch ein neues Paket mit
Sanktionsmaßnahmen will die Regierung von Ministerpräsident Viktor
Orban zunächst verhindern. 

Als Grund führt Orban an, die ukrainische Führung blockiere
absichtlich die Wiederaufnahme von Öllieferungen über die
Druschba-Pipeline. Diese sind nach ukrainischen Angaben durch
russische Bombardierungen seit Ende Januar unterbrochen. 

Der EU-Kredit soll den dringendsten Finanzbedarf der Ukraine bis Ende
2027 decken und dem Land eine Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen
Russland ermöglichen. 60 Milliarden Euro des Geldes sind für die
Verteidigung vorgesehen. 

EU-Chefdiplomatin zeigt Unverständnis für Ungarns Position

Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas zeigte Unverständnis für
Ungarns Position und wenig Optimismus für die heutigen Beratungen.
«Wir sollten Dinge, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben,
nicht miteinander verknüpfen», sagte Kallas. Man werde die
ungarischen Argumente anhören und das Land zu überzeugen versuchen.
«Aber da wir einige sehr deutliche Aussagen aus Ungarn gehört haben,
glaube ich leider nicht, dass sie ihre Position heute ändern werden.»