Ifo-Index steigt: Hoffen auf Aufschwung trotz Trumps Zöllen Von Alexander Sturm, dpa

23.02.2026 16:27

Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer klettert und große
Industriebranchen liefern ermutigende Signale. Doch die nächsten
Zollankündigungen von US-Präsident Trump bringen neue Turbulenzen.

München/Frankfurt (dpa) - Die Stimmung in den Chefetagen deutscher
Unternehmen hellt sich stärker auf als gedacht und schürt die
Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft. Im Februar stieg der
Ifo-Index, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, stärker als
erwartet und liefert das nächste Signal für ein leichtes Wachstum
nach Jahren der Krise. Wäre da nicht Donald Trump: Einmal mehr
verunsichert die Zollpolitik des US-Präsidenten, der nach seiner
Niederlage vor dem obersten Gerichtshof prompt neue Zölle ankündigte.

Im Februar stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex um 1,0 Punkte auf 88,6
Zähler. Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit ihren aktuellen
Geschäften, auch die Erwartungen besserten sich, so das Ifo-Institut.
«Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung»,
kommentierte Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der jüngsten
Ifo-Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Demnach stieg das Geschäftsklima
in der Industrie, bei Dienstleistern und am Bau. Nur im Einzelhandel
gab es leicht nach.

«Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal»

«Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie», meint
Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg
(LBBW). Natürlich dürften Trumps jüngste Zolleskapaden die
Unternehmen belasten. Dennoch zeigten die Frühindikatoren nach oben,
schrieb er mit Blick etwa auf die jüngst gestiegenen
Industrieaufträge.

Die deutsche Wirtschaft, die 2025 nur ein Mini-Wachstum verzeichnete
und in den beiden Vorjahren geschrumpft war, wird nach Einschätzung
der Bundesregierung 2026 um ein Prozent zulegen. Nach Ansicht der
Bundesbank geht es im ersten Quartal verhalten aufwärts.

«Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal» schrieb Christoph
Swonke, Konjunkturanalyst bei der DZ Bank. Pünktlich zu den milderen
Temperaturen laufe sich auch Deutschlands Wirtschaft warm -
«zumindest in Mini-Schritten». Der Aufwärtstrend liege vor allem an
den Fiskalpaketen für Infrastruktur und Verteidigung. «Trotzdem
bleibt die weltweite Lage äußerst fragil.»

Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sieht
dagegen Grund für mehr Optimismus als allgemein angenommen. «Wir
sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich
Schwung aufnimmt.» 

Exportrekord in der Elektroindustrie

Positive Nachrichten liefert die deutsche Elektro- und
Digitalindustrie, die 2025 ihre Exporte auf den Rekordwert von fast
258 Milliarden Euro steigerte - trotz Zollstreits mit den USA. Dabei
halfen laut Branchenverband ZVEI ein starkes Europageschäft und
sprunghaft wachsende Ausfuhren im Dezember. 

Höhere Exporte zum Jahresende 2025 meldete auch der
Maschinenbauverband VDMA. In der Jahresbilanz sanken die weltweiten
Ausfuhren von Maschinen und Anlagen aber um 1,8 Prozent gegenüber
2024, das Geschäft mit den USA brach wegen der Zölle um acht Prozent
ein.

Nächstes Kapitel im Zollstreit mit Trump

Und der Zollstreit geht bereits in die nächste Runde: Trump kündigte
nach seiner Schlappe vor dem obersten Gerichtshof am Wochenende neue
weltweite Zölle vorübergehend von zehn und dann 15 Prozent auf
Importe in die USA an. 

Der Supreme Court hatte Trump untersagt, unter Berufung auf ein
Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle gegen den Import von
Waren aus vielen Ländern zu verhängen. Unklar ist nun, ob Unternehmen
zu viel gezahlte Milliardenbeträge zurückbekommen.

Die US-Zollbehörde hat nach der Gerichtsentscheidung die Erhebung von
Abgaben schon teilweise gestoppt. Zölle auf Grundlage von
Notstandsbefugnissen würden ab Dienstag nicht mehr erhoben. Andere
Importzölle bleiben unberührt, etwa solche aus Gründen der nationalen

Sicherheit oder wegen unlauterer Handelspraktiken.

Kippt der Zolldeal mit Washington?

Auch ist unklar, was die neuen Zollankündigungen von Trump für den
Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington von vergangenem Sommer
bedeuten. Dieses sah eine Zollobergrenze von 15 Prozent für die
meisten EU-Importe in den USA vor. 

Am Montag legte das Europäische Parlament, wo die Annahme des
Abkommens noch ausstand, die Umsetzung formell auf Eis. Man wolle von
den USA die klare Zusicherung, dass sie das Abkommen einhalten, sagte
der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Später
hieß es aus US-Regierungskreisen, der amerikanische Zoll auf
EU-Importe solle 15 Prozent betragen.

«Rüstungsaufträge machen noch keinen Aufschwung.»

Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank meint, die Zollkapriolen
der USA sollten nicht überbewertet werden. «Für die Unternehmen ist
jetzt Planungssicherheit wichtiger, als ob es mit den Zöllen noch
einmal etwas herauf oder herunter geht.»

Viele Experten sehen die größten Baustellen für die deutsche
Wirtschaft ohnehin zu Hause. Das Ifo-Geschäftsklima zeige anders als
in der ersten Hälfte 2025 noch nicht klar nach oben, schrieb
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. «Das Ausbleiben der
notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung.
Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung.»