Wieso, weshalb, warum: Trump und seine Zölle Von Khang Mischke, dpa, und Jürgen Sabel, dpa-AFX
24.02.2026 04:30
Nach den Zöllen ist vor den Zöllen. Mit seinen jüngsten Ankündigung
en
schürt US-Präsident Trump erneut Unsicherheit auf beiden Seiten des
Atlantiks. Ein Überblick.
Washington (dpa) - Donald Trump wollte mit seinen Zöllen die USA
retten, doch der Oberste Gerichtshof kassierte viele seiner
Importaufschläge. Das hält den US-Präsidenten aber nicht von seinem
aggressiven Vorgehen gegen Handelspartner ab. Ein Überblick zu Trumps
Lieblingsinstrument bei Verhandlungen.
Wer bezahlt die Zölle?
Formal ist die Antwort einfach. Der amerikanische Importeur zahlt
Zölle für die importierten Waren an die US-Zollbehörde. Diese
Preisaufschläge muss er entweder selbst übernehmen und auf Gewinn
verzichten oder er muss sie weitergeben. Das ginge zum einen, indem
er die Preise bei den Exporteuren der Produkte drückt, etwa deutsche
Unternehmen. Doch es gibt bestehende Lieferverträge, die zunächst
weiter Gültigkeit haben. Allerdings kann der Importeur schrittweise
in Verhandlungen versuchen, die ausländischen Lieferanten zu
Zugeständnissen zu bewegen. Bisher lässt sich an den Einfuhrpreisen
aber nicht ablesen, dass die Exporteure ihre Preise gesenkt haben.
Zum anderen können Importeure die höheren Kosten für die Einfuhr von
Produkten aus dem Ausland in Form von höheren Preisen an die Käufer
weiterreichen, sodass die Mehrkosten letztendlich von Bürgerinnen und
Bürgern mitgetragen werden. Importeure und Verbraucher in den USA
tragen bisher 96 Prozent der Zolllast, wie neue Forschungsergebnisse
des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigen. Der Demokrat Ro Khanna
fasste zusammen: «Bei diesen Zöllen ging es nicht um Sicherheit - sie
waren eine Steuer für Familien und kleine Unternehmen, um einen
rücksichtslosen Handelskrieg zu finanzieren», warf der
Kongressabgeordnete Trump vor.
Warum trifft das dennoch deutsche Exporteure?
Für deutsche Exporteure ist dies aber kein Grund zur Freude. So
werden in den USA insgesamt weniger Produkte aus dem Ausland
nachgefragt, da US-Produkte relativ zu importierten Waren günstiger
werden. Das Einfuhrvolumen in die Vereinigten Staaten ist deshalb
insgesamt gesunken.
Zudem wird die Wirtschaft von höheren Preisen belastet. So hat sich
das Wachstum in den USA im vergangenen Jahr abgeschwächt. Auch dies
wirkt sich auf die Nachfrage nach ausländischen Produkten aus. Ferner
dürfte der Druck auf die deutschen Hersteller wachsen, die Preise
doch noch zu senken. Dies würde zu niedrigeren Gewinnmargen führen.
Deutsche Unternehmen werden versuchen, auf andere Märkte wie
beispielsweise Indien auszuweichen.
Was will Trump mit seinen Zöllen erreichen?
Trump sieht seine Zölle als Allheilmittel: Vordergründig sollen sie
Geld in die Kassen der Regierung spülen und das beklagte
Handelsungleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und anderen
Ländern ausgleichen. Nur allzu gerne wirft Trump anderen Staaten wie
China vor, die USA jahrelang übers Ohr gehauen zu haben. Im Kern
stört es den Republikaner, dass die USA ein riesiges
Handelsbilanzdefizit haben. Das bedeutet, dass die USA mehr Waren aus
dem Ausland kaufen als selbst in jene Länder verkaufen. Durch Zölle
soll der Preisvorteil von Importen aufgehoben und so die heimische
Produktion angekurbelt werden.
Trump nutzt seine Zölle gerne als Hebel, um Verhandlungen zu
erzwingen oder als Druckmittel für Kompromisse. So setzte der
Präsident Konzerne aus dem Ausland vor die Wahl, entweder ihre
Produktion zumindest teilweise in die USA zu verlagern oder Zölle in
Kauf zu nehmen. Denn wenn Firmen wieder in den Vereinigten Staaten
ihre Waren herstellen, so Trump, würde das dem Land einen
zusätzlichen Schub verleihen. Dass die höheren Herstellungskosten
etwa aufgrund höherer Löhne dann womöglich an die Verbraucher
weitergegeben werden, lässt der Präsident außen vor.
Wer kann zu Unrecht eingenommene Zölle wiederbekommen?
Der Supreme Court hat zwar entschieden, dass die unter dem
Notstandsgesetz erhobenen Zölle illegal sind - nicht aber, ob und
wenn ja, bis wann die Trump-Regierung das Geld an die Importeure
erstatten muss. Richter Brett Kavanaugh hatte in der Vergangenheit
darauf verwiesen, dass die Vereinigten Staaten verpflichtet sein
könnten, Milliarden von Dollar zu erstatten - und das, «obwohl einige
Importeure die Kosten möglicherweise bereits an Verbraucher oder
Dritte weitergegeben haben». Ein Erstattungsprozess könnte ein
«Chaos» werden.
Nach Angaben der University of Pennsylvania könnte die US-Regierung
Importeuren nun bis zu 175 Milliarden US-Dollar (knapp 150 Mrd Euro)
an Erstattungen schulden. «Sofern keine alternative Einnahmequelle
gefunden wird, werden die zukünftigen Zolleinnahmen um die Hälfte
sinken», hieß es.
Trump zeigte sich irritiert darüber, dass der Supreme Court keine
Anordnung zu möglichen Erstattungspflichten gemacht habe. «Man sollte
doch meinen, sie hätten wenigstens einen Satz hineingeschrieben, ob
man das Geld behalten darf oder nicht, oder? Ich schätze, das muss
die nächsten zwei Jahre vor Gericht ausgetragen werden», sagte er.
Trump will die milliardenschweren Einnahmen zunächst behalten und
weiter ausgeben.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte dagegen bereits Anfang
September bei NBC News gesagt, dass sich die Regierung einer
Anordnung des Obersten Gerichts fügen und Importeuren die
Zolleinnahmen erstatten würde. Wie genau der Erstattungsprozess
ablaufen soll, ist allerdings unklar.
