Druschba-Pipeline: Selenskyj hält Reparatur für unnötig
24.02.2026 17:56
Ungarn und die Slowakei erhalten kein russisches Öl mehr über die
Ukraine. Selenskyj verweist bei Reparaturwünschen auf Moskau - und
nennt den Preis dafür zu hoch.
Kiew (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält trotz
des Drucks der EU-Staaten Ungarn und Slowakei eine Reparatur der für
russische Öllieferungen wichtigen Druschba-Leitung für unnötig. «Wo
zu
reparieren? Um Menschen zu verlieren. Ich denke, das ist ein zu
großer Preis», sagte Selenskyj auf einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspräsident
António Costas in Kiew. Ihm zufolge greift das russische Militär
gezielt Reparaturtrupps an.
Dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der wegen der
ausbleibenden Lieferungen Ukraine-Hilfen blockiert, empfahl er sich
an Moskau zu wenden. «Russland zerstörte diese Pipeline mehrfach»,
sagte Selenskyj. Orban solle beim Kreml um eine Energiewaffenruhe
ersuchen. «Es kann nicht sein, dass Russland etwas zerstört und die
Ukraine es dann repariert.» Selenskyj hatte auch gesagt, dass
russisches Öl, das zur Finanzierung des Kriegs dient, nichts auf dem
europäischen Markt zu suchen habe.
Europäische Union drängt auf Reparatur
Von der Leyen, die in den blau-gelben Farben der ukrainischen Flagge
gekleidet war, machte allerdings deutlich, dass sie und Costa die
Ukraine gebeten haben, die Reparaturen an der Pipeline zu
beschleunigen. Sie dankte zudem dem kroatischen Ministerpräsidenten
Andrej Plenkovic für seine Bemühungen, den Transport von Öl über
Serbien nach Ungarn und in die Slowakei über die Adria-Pipeline
abzusichern und auszubauen.
Der Erdöltransit über die Druschba-Pipeline ist seit einem
Drohnenangriff auf Energieanlagen in der westukrainischen Stadt Brody
Ende Januar unterbrochen. Als Reaktion hat Ungarn einen
90-Milliarden-Kredit der Europäischen Union an die Ukraine genauso
wie Diesellieferungen blockiert. Die benachbarte Slowakei hat ebenso
mit einer Unterbrechung von Dieselexporten in die Ukraine reagiert.
Von der Leyen will Ungarns Blockade notfalls umgehen
Von der Leyen kündigte zudem an, die von Ungarn blockierte
Absicherung des Darlehens über den EU-Haushalt notfalls zu umgehen.
«Wir werden den Kredit so oder so bereitstellen. Ich will ganz klar
sein: Wir haben verschiedene Optionen - und wir werden sie nutzen»,
sagte sie.
Das ist bereits der zweite Transitstopp innerhalb eines Jahres. Im
vergangenen August waren die Lieferungen aus Russland bereits
kurzzeitig unterbrochen worden - durch einen ukrainischen Angriff.
Der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, hatte zuvor
von einer erfolgreichen Attacke auf eine Pumpstation im russischen
Gebiet Tambow berichtet.
Die Ukraine wehrt sich seit vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen
russische Invasionstruppen.
