Tausende Slowaken protestieren für Ukraine und gegen Fico

24.02.2026 22:05

Weil kein russisches Öl mehr in die Slowakei fließt, will Fico die
Strom-Hilfslieferungen an die Ukraine stoppen. Demonstranten
solidarisieren sich dagegen mit dem Nachbarland.

Bratislava (dpa) - Vor dem Hintergrund eines Streits über
Energielieferungen sind Tausende Menschen in der slowakischen
Hauptstadt Bratislava zu einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine
auf die Straße gegangen. Sie gedachten der ukrainischen Opfer des
russischen Angriffskriegs und protestierten zugleich gegen den
slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico. Der linksnationale
Politiker hatte einen Stopp von Strom-Hilfslieferungen an die Ukraine
angekündigt, weil diese russische Erdöl-Lieferungen an die Slowakei
blockiere. 

Anlass der Kundgebung war der vierte Jahrestag des Beginns der
russischen Invasion am 24. Februar 2022. Die Demonstranten schwenkten
ukrainische, slowakische und Europa-Fahnen. In Sprechchören riefen
sie «Ruhm der Ukraine!». Als der Solidaritätsmarsch an der russischen

Botschaft vorbeikam, waren Rufe zu hören, der russische Botschafter
solle die Slowakei verlassen. 

Auf Transparenten wurde Russlands Präsident Wladimir Putin als
Kriegsverbrecher bezeichnet. Fico wurde zum Rücktritt aufgerufen. 

«Gegenmaßnahme» nach slowakischem «Erdöl-Notstand»

Vergangene Woche hatte die slowakische Regierung einen
«Erdöl-Notstand» ausgerufen, weil seit einem Monat kein russisches
Öl
mehr über die Ukraine ankam. Nach ukrainischen Angaben ist die
Druschba-Pipeline, über die das russische Öl aus Russland über die
Ukraine in die Slowakei geliefert wird, durch russische
Bombardierungen unterbrochen. 

Fico beschuldigte die ukrainische Führung jedoch, die Wiederaufnahme
der Lieferungen absichtlich zu verhindern. Als zuvor angedrohte
«Gegenmaßnahme» kündigte er am Montag an, die slowakischen
Strom-Hilfslieferungen an das Nachbarland einzustellen.

Nach Angaben des slowakischen Netzbetreibers Seps gegenüber der
Nachrichtenagentur TASR wurden die laufenden Stromlieferungen aber
auch am Dienstag noch nicht eingestellt. Im aktuellen Energiestreit
vertreten die Slowakei und Ungarn ähnliche Positionen. Ungeachtet
dessen beteuerten slowakische Regierungspolitiker aber erneut ihre
grundsätzliche Unterstützung für die - von Ungarn abgelehnten -
EU-Beitrittsbemühungen der Ukraine.