EU-Kommission lehnt neuen Fonds für sichere Abtreibungen ab
26.02.2026 16:58
Mehr als eine Million Europäer fordern einen EU-Fonds für sichere
Abtreibungen. Davon sollen vor allem Frauen in Ländern mit strengen
Regeln profitieren. Nun äußerte sich die Europäische Kommission.
Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission erteilt der Forderung nach
einem Fonds für einen EU-weiten Zugang zu sicheren
Schwangerschaftsabbrüchen eine Absage. Neue rechtliche Regelungen
seien nicht erforderlich, teilte die Brüsseler Behörde mit.
Hintergrund ist die EU-Bürgerinitiative «My Voice, My Choice», die
einen Finanzierungsmechanismus unter anderem aus EU-Mitteln für
solche Mitgliedsstaaten gefordert hatte, die freiwillig eine
grenzüberschreitende Abtreibungsversorgung anbieten möchten. Die von
der Slowenin Nika Kovac initiierte Bewegung sammelte mehr als eine
Million Unterschriften.
Befürworterinnen und Befürworter wollen, dass Frauen aus EU-Ländern
mit restriktiven Abtreibungsregeln wie Polen einen besseren Zugang zu
sicheren Schwangerschaftsabbrüchen bekommen. Das EU-Parlament hatte
das Vorhaben unterstützt. Die Initiative betrifft kein Recht auf
Abtreibung auf EU-Ebene.
EU-Kommission verweist auf Europäischen Sozialfonds Plus
Die EU-Kommission antwortete nun, dass eine EU-Unterstützung bereits
durch den Europäischen Sozialfonds Plus bereitgestellt werden könnte.
EU-Länder könnten ihn nutzen, um den Zugang zu sicheren
Schwangerschaftsabbrüchen zu verbessern. «Jetzt müssen wir dafür
sorgen, dass die Mitgliedstaaten sich dieser Instrumente voll bewusst
sind», sagte die EU-Kommissarin für Gleichberechtigung Hadja Lahbib.
Die Organisatorinnen und Organisatoren der Bürgerinitiative zeigten
sich zufrieden mit der Klarstellung der Kommission, dass Mittel aus
dem Sozialfonds Plus genutzt werden könnten.
Fast halbe Million unsichere Abtreibungen in Europa
Gleichzeitig stellte die Brüsseler Behörde in ihrer Mitteilung fest,
dass nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation in Europa jedes
Jahr rund 483.000 unsichere Abtreibungen durchgeführt werden. Sie
seien ein Problem der öffentlichen Gesundheit, da sie zu
verschiedenen Formen körperlicher
Schäden sowie zu schwerem psychischem Stress führen und somit das
Leben von Frauen gefährden könnten, hieß es.
In der EU regeln die 27 Mitgliedsstaaten den Zugang zu
Schwangerschaftsabbrüchen sehr unterschiedlich. Während viele Länder
Abtreibungen unter bestimmten Voraussetzungen zulassen, sind sie in
einigen anderen Ländern wie Polen und Malta stark eingeschränkt.
