Uruguay ratifiziert als erstes Mercosur-Land Handelsabkommen mit EU

26.02.2026 19:15

Nach über 25 Jahren Verhandlungen entsteht eine der größten
Freihandelszonen der Welt. Das Abkommen könnte jetzt schon vorläufig
zur Anwendung kommen - wenn die EU-Kommission grünes Licht gibt.

Montevideo (dpa) - Das uruguayische Parlament hat das
Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur-Staaten Brasilien,
Argentinien, Uruguay und Paraguay und der Europäischen Union
gebilligt. Damit ist Uruguay das erste Mercosur-Land, das den Vertrag
ratifiziert. Auch die argentinische Abgeordnetenkammer wollte noch am
Donnerstag über den Text abstimmen. 

Mit Spannung wird nun erwartet, ob die EU-Kommission grünes Licht
dafür gibt, das Abkommen schon vor der finalen Zustimmung durch das
Europäische Parlament vorläufig anzuwenden. Regierungen von
EU-Staaten wie Deutschland dringen darauf, es droht allerdings ein
Konflikt mit dem Parlament. Dieses hatte im Januar mit knapper
Mehrheit beschlossen, das Abkommen vor einer endgültigen Abstimmung
vom Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen. 

«Nach der Ratifizierung des Abkommens durch Uruguay liegt der Ball
jetzt klar im Feld der EU-Kommission. Sie muss jetzt handeln und das
Mercosur-Abkommen zur vorläufigen Anwendung bringen. Es darf keine
weitere wertvolle Zeit mehr verloren gehen», sagte die Präsidentin
des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller.

Sorge um Verbraucher- und Umweltschutz

Gegner des Abkommens kritisieren, dass es so angelegt wurde, dass die
Freihandelsabsprachen von Mitgliedstaaten nicht mit
Einstimmigkeitsprinzip angenommen werden mussten. Zudem wird
befürchtet, dass EU-Standards bei Verbraucherschutz, Umwelt und
Tierwohl beeinträchtigt werden könnten - was die EU-Kommission
allerdings kategorisch zurückweist.

Der Mercosur-Deal war zu Jahresbeginn in Paraguay nach mehr als 25
Jahren Verhandlungen unterzeichnet worden. Es soll eine neue
Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern geschaffen
werden. Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der
Austausch von Waren und Dienstleistungen angekurbelt werden. 

Die neue Freihandelszone gilt auch ein Zeichen gegen die
protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.
«Deutschland und die EU müssen starke Verfechter für weltweiten
freien und fairen Handel sein. Gerade jetzt, in einer Zeit des
erstarkten Protektionismus, gilt es, das Momentum zu nutzen, um
weltweit Allianzen für offene Märkte und einen regelbasierten Handel
zu schmieden», sagte VDA-Präsidentin Müller.

Bauern in der EU fürchten Konkurrenz aus Südamerika

Das Abkommen ist aber vor allem in Europa umstritten: Europäische
Landwirte fürchten die Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten und
sprechen von einer Existenzbedrohung für die europäische
Landwirtschaft. Deshalb wurde der Vertrag zuletzt um Schutzklauseln
zu Agrarimporten ergänzt. 

Umweltschützer befürchten ihrerseits, dass durch eine stärkere
Nachfrage landwirtschaftlicher Produkte in Europa die Abholzung des
Regenwaldes in Südamerika befeuert werden könnte. Befürworter des
Abkommens sehen dagegen besonders große Chancen für die
Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche.