EU-Kommission setzt Anti-Betrugsbehörde auf britischen Ex-Minister an
26.02.2026 19:30
Die EU-Kommission lässt mögliche Pflichtverstöße von Peter Mandelso
n
im Zusammenhang mit den Epstein-Dokumenten prüfen. Sie ruft auch die
Anti-Korruptionsbehörde auf den Plan.
Brüssel (dpa) - In der Affäre um Epstein-Kontakte des früheren
britischen Ministers und Ex-EU-Handelskommissars Peter Mandelson
prüft nun auch die europäische Anti-Korruptionsbehörde Olaf möglich
e
Pflichtverstöße. «Angesichts der Umstände und der erheblichen Anzah
l
öffentlich zugänglich gemachter Dokumente» habe die Europäische
Kommission die EU-Behörde Olaf am 18. Februar gebeten, die
Angelegenheit zu untersuchen, teilte ein Sprecher der Kommission in
Brüssel auf Anfrage mit. Das Olaf-Pressebüro bestätigte die laufende
Prüfung.
Die Pressestelle der EU-Behörde stellte weiter klar, dass damit noch
kein Ermittlungsverfahren eingeleitet sei. Es handele sich um eine
Erstbewertung, bei der nach einem standardisierten Verfahren alle
eingehenden Informationen von potenziellem Ermittlungsinteresse
analysiert würden.
EU-Kommission untersucht Hinweise auf Pflichtverstöße
Auch die EU-Kommission selbst prüft, ob es seitens Mandelson einen
Verstoß gegen Verhaltenspflichten aus seiner früheren Rolle als
EU-Kommissar gab, wie der Sprecher mitteilte. Mandelson war von 2004
bis 2008 Handelskommissar in Brüssel. «Die Mitglieder des Kollegiums
unterliegen Verpflichtungen, die sich unmittelbar aus den Verträgen
ergeben, sowie ethischen Verpflichtungen, die aus dem Verhaltenskodex
(CoC) hervorgehen», hieß es. Die Kommission untersuche Hinweise auf
mögliche Pflichtverstöße und ergreife gegebenenfalls Maßnahmen.
Weitere Details wolle die Kommission bis zum Abschluss der laufenden
Prüfung nicht nennen.
In Großbritannien wird nach den jüngsten Veröffentlichungen aus den
Epstein-Akten des US-Justizministeriums gegen Mandelson ermittelt.
E-Mail-Verläufe legen den Verdacht nahe, dass er dem
US-Sexualstraftäter und Multimillionär Jeffrey Epstein sensible
Regierungsinformationen während der weltweiten Finanz- und
Wirtschaftskrise zugespielt haben könnte. Epstein war 2019 in Haft
gestorben.
Nach seinem Posten in Brüssel war Mandelson von 2008 bis 2010
britischer Wirtschaftsminister. Den Akten zufolge soll er unter
anderem die Entscheidung für einen 500-Milliarden-Euro-Rettungsschirm
in der Euro-Krise bereits einen Tag vor deren Verkündung an Epstein
weitergegeben haben.
Im Zuge der britischen Ermittlungen wegen des Verdachts auf
Fehlverhalten im öffentlichen Amt wurde Mandelson Anfang der Woche
vorübergehend festgenommen. Seine Anwälte kritisierten dies scharf.
Im September war er als britischer Botschafter in den USA abberufen
worden.
