Bericht: Deutlich mehr Angriffe auf Medien in Europa gezählt

03.03.2026 17:05

Körperliche Angriffe, Festnahmen, politische Einflussnahme: Die
Bedrohung für Medien in Europa nimmt laut einem Bericht zu. Welchen
Gefahren sind Journalistinnen und Journalisten besonders ausgesetzt?

Brüssel/Straßburg (dpa) - Die Bedrohungen für Medien nehmen nach
einer neuen Analyse auch in Europa deutlich zu. Aus den 46
Mitgliedsstaaten des Europarats sowie Russland und Belarus gab es im
vergangenen Jahr 344 Warnmeldungen, wie der Europarat mitteilte. Dies
entspreche einem Anstieg um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Gezählt wurden unter anderem körperliche Angriffe, Festnahmen und
Inhaftierungen sowie Belästigungen und Einschüchterungen. 

In der Analyse ist von einem «zunehmend feindseliges Umfeld für
Journalisten» die Rede. Sie wurde von der Plattform zur Förderung des
Schutzes des Journalismus und der Sicherheit von Journalisten
erarbeitet, die vom Europarat und Journalistenorganisationen ins
Leben gerufen wurde. 

Die häufigste Ursache für Warnmeldungen waren mit 90 Erfassungen
physische Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten - etwa durch
die Polizei, politische Akteure und Protestierende bei
Demonstrationen. Die höchsten Zahlen wurden aus Georgien, Serbien und
der Türkei gemeldet. Lebensgefährlich für Journalistinnen und
Journalisten ist vor allem der Krieg Russlands gegen die Ukraine.
Vier Medienvertreterinnen und Medienvertreter seien durch russische
Drohnenangriffe getötet worden, heißt es im Bericht. 

Auch EU-Länder im Visier des Berichts 

Im Fokus des Berichts stand unter anderem das EU-Land Ungarn.
Unabhängige Medien dort sind demnach strukturellen Nachteilen
ausgesetzt, öffentliche Gelder fließen fast ausschließlich an
regierungsnahe Medien. Weil Eigentümer, die der Regierungspartei
nahestehen, immer mehr Medienunternehmen übernehmen, gehe der
Medienpluralismus in dem Land weiter zurück, heißt es. Außerdem
kritisiert der Bericht, dass öffentlich-rechtliche Medien unter
politischer Kontrolle stünden. Die EU-Kommission in Brüssel leitete
bereits ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn ein
wegen einer Reihe von Verletzungen von EU-Regeln zu Medienfreiheit
und Mediendiensten. 

Der Europarat mit Sitz in Straßburg ist kein Organ der Europäischen
Union. Er wacht über Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der
Menschenrechte in seinen Mitgliedsländern.