Tillys Karnevalskunst im EU-Parlament - drei Wagen fehlen

03.03.2026 17:24

Während in Russland ein Prozess gegen den Düsseldorfer Künstler Tilly

läuft, werden seine Werke in Brüssel ausgestellt - allerdings nicht
alle.

Brüssel (dpa) - Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly zeigt seine
Werke im Europaparlament in Brüssel. Unter dem Motto «Gegen
Machtmissbrauch mit Humor - Jacques Tillys Arbeiten im Düsseldorfer
Karneval» eröffnete der Bildhauer gemeinsam mit der
FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine mehrtägige
Ausstellung mit Fotos sowie Miniatur-Ausführungen seiner politischen
Karnevalswagen. 

Drei Wagen Tillys sind allerdings anders als geplant nicht zu sehen:
Konservative Mitglieder des Parlamentspräsidiums lehnten Fotos von
Karnevalswagen ab, auf denen der inzwischen verstorbene
rechtspopulistischen Regierungschef Italiens, Silvio Berlusconi,
Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini und der
polnische PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski zu sehen sind.

In Russland läuft Verfahren gegen Tilly

Unter anderem wegen Beleidigung der russischen Staatsorgane läuft in
Russland ein umstrittenes Strafverfahren gegen Tilly. Der Künstler
hatte Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit
Karikaturen von Kremlchef Wladimir Putin gebaut. Laut Gericht muss
sich Tilly nun wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane
verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident
Putin. Der Prozess soll am 16. März fortgesetzt werden. Bei einer
Verurteilung drohen Tilly eine Geldstrafe oder bis zu zehn Jahre
Haft.

Tilly sagte in Brüssel, am Anfang des Prozesses sei er etwas
beunruhigt gewesen, mittlerweile aber sehe er das viel gelassener.
Die Anklage zeige auch die Schwäche und die Angst eines
«autokratischen Regimes», das Angst davor habe, infrage gestellt und
kritisiert zu werden. «Pappfiguren vor den Kadi zu zerren, ist
einfach so was von, wie soll ich sagen, unsouverän», so Tilly.

Rechtskonservative kritisieren

Die rechtskonservative EKR-Fraktion im Europaparlament kritisierte
die Ausstellung der «umstrittenen Werke». Strack-Zimmermann habe in
ihrer Funktion als Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und
Verteidigung des Europaparlaments mangelndes institutionelles
Urteilsvermögen und fehlende Sensibilität gezeigt, schreiben die
Vorsitzenden in einer Mitteilung. «Die Ausstellung zeigt unter
anderem Darstellungen, die Donald Trump mit dem russischen
Präsidenten Wladimir Putin gleichsetzen, Vergleiche mit totalitären
Figuren ziehen und den Präsidenten der Vereinigten Staaten in
explizit obszöner und erniedrigender, sexualisierter Weise
darstellen. Zudem enthält sie Motive, die von vielen als religiös
verletzend empfunden werden könnten.»