Razzia in EU-Ländern wegen Steuerbetrugs - Iserlohn im Fokus

04.03.2026 14:56

Durchsuchungen in neun EU-Ländern, mehrere Festnahmen. Eine
kriminelle Organisation soll mit Luxusautos Millionen-Steuerschäden
verursacht haben. Ein Hauptverdacht führt nach Iserlohn im Sauerland.

Iserlohn (dpa/lnw) - In einem großangelegten EU-weiten Schlag wegen
mutmaßlichen Steuerbetrugs in Millionenhöhe mit Luxusautos haben
Einsatzkräfte in neun europäischen Ländern Durchsuchungen
durchgeführt. In Deutschland wurden vier Tatverdächtige festgenommen,
weitere fünf Personen in Tschechien, wie die Europäische
Staatsanwaltschaft in Luxemburg mitteilte. Als Hauptverdächtige
gelten demnach Eigentümer einer Gruppe von Autohäusern in Iserlohn im
Märkischen Kreis sowie in Berlin.

Die Razzia seit den Morgenstunden hatten die Außenstellen der
Europäischen Staatsanwaltschaft in Köln, Berlin und Prag geführt, wie

es weiter hieß. Mehr als 1.100 Kräfte von Polizei und
Steuerverwaltung waren auch in Österreich, Bulgarien, Kroatien,
Ungarn, Italien, Polen und in der Slowakei im Einsatz. Luxusautos,
Bargeld, Kunst und andere Vermögenswerte im Wert von über 13,5
Millionen Euro wurden beschlagnahmt. Insgesamt wird ein Steuerschaden
von mehr als 103 Millionen Euro angenommen.

Grenzüberschreitender Betrug mutmaßlich auch von NRW aus 

Die Verdächtigen sollen in einen massiven Umsatzsteuerbetrug mit
Luxusautos zwischen 2017 und 2025 verwickelt gewesen sein. Die
Hauptverdächtigen aus NRW und Berlin sollen Organisatoren und
Anführer dieses kriminellen Netzwerks gewesen sein.

Am Morgen waren auch in Iserlohn im Sauerland mehrere Objekte
durchsucht worden. Dabei sollen auch zwei Villen und ein Autohandel
Ziel der Aktionen gewesen sein. Die Polizei im Märkischen Kreis
unterstützte die Razzia im Rahmen einer «Art von Amtshilfe», wie ein

Sprecher schilderte. Das Landesamt zur Bekämpfung der
Finanzkriminalität (LBF) berichtete später, Steuerfahnder des
NRW-Landesamtes hätten einen Autohandel durchsucht.

Die Vorgehensweise der kriminellen Organisation

Den Ermittlungen zufolge nutzte das kriminelle Netzwerk verzweigte
Handelsketten. Über Briefkastenfirmen seien Steuerzahlungen umgangen
worden, an anderer Stelle hätten sich Verdächtige unrechtmäßig
Steuern erstatten lassen. Die umfangreichen Untersuchungen richteten
sich auch gegen mehrere Personen aus dem Umfeld der
Briefkastenfirmen.

Das NRW-Landesamt LBF sprach von einer Tätergruppe, die in NRW einen
Autohandel führe. Sie habe nach bisherigen Erkenntnissen als
Drahtzieher über fingierte Autoverkäufe an Scheinfirmen im EU-Ausland
im großen Stil Umsatzsteuerbetrug betrieben. Es sei auch mit
«manipulierten Lieferketten und Scheinrechnungen» gearbeitet worden.
Gegen zwei Hauptverantwortliche seien Haftbefehle vollstreckt
worden. 

Europäische Staatsanwaltschaft

Die Europäische Staatsanwaltschaft ist eine Strafverfolgungsbehörde,
die gegründet wurde, um die finanziellen Interessen der EU zu
schützen. Sie befasst sich unter anderem mit Fällen von Steuerbetrug,
Geldwäsche, Zollbetrug oder Veruntreuung von EU-Mitteln und hat
mehrere Außenstellen auch in Deutschland.