Putin erwägt Stopp der Gaslieferungen in EU - «jetzt sofort»

04.03.2026 21:27

Die EU will die Gaslieferungen aus Russland bald komplett stoppen.
Nun überlegt Kremlchef Putin, ob es dann nicht besser wäre, wenn die
Rohstoffmacht selbst schon vorher den Energiefluss einstellt.

Moskau (dpa) - Angesichts des von der EU geplanten Embargos gegen
russisches Gas denkt Kremlchef Wladimir Putin darüber nach, die
Lieferungen nun selbst schon vorher zu stoppen. «Jetzt öffnen sich
andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns vorteilhafter, jetzt
sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen»,
sagte Putin in einem auch vom Kreml veröffentlichten Interview des
russischen Staatsfernsehens. Demnach erwägt der Präsident dem
Inkrafttreten der EU-Sanktionen zuvorzukommen.

Eine solcher Schritt dürfte, solle er beschlossen werden, die im Zuge
des Iran-Kriegs ohnehin gespannte Lage auf dem Gasmarkt weiter
verschärfen und die Energiepreise noch mehr in die Höhe treiben. Das
war schon nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine
2022 so.

Putin sagte, dass er nur laut darüber nachdenke, ob die Orientierung
auf andere Märkte und das Fußfassen dort für Russland jetzt nicht
günstiger sei. Eine Entscheidung sei nicht gefallen. Er beauftrage
aber die Regierung und die Unternehmen, einen solchen Schritt zu
prüfen. Putin betonte zwar einmal mehr auch, dass Russland ein
verlässlicher Lieferant auch in Europa bleiben wolle. Dabei hat er
aber vor allem treue Kunden wie Ungarn und die Slowakei im Blick.

Russland will auf verlässliche Partner setzen

Putin behauptete, dass es keinen politischen Hintergrund für seine
Überlegungen gebe. Es gehe ums Geschäft. Wenn die EU ohnehin bald
kein russisches Gas mehr abnehme, «ist es besser, jetzt selbst
aufzuhören und in die Länder zu gehen, die zuverlässige Partner sind,

und uns dort zu etablieren», sagte er. In dem Interview sprach er
selbst auch über die Preistreiberei auf dem Gasmarkt, schuld daran
sei eine fehlerhafte Politik in der EU.

Russland hatte wegen der EU-Sanktionen seine Gaslieferungen massiv
diversifiziert und vor allem nach China ausgeweitet. Trotz der
Sanktionen liefert die Energiegroßmacht aber immer noch Gas in die
EU. Die Europäische Union will bis spätestens Ende 2027 vollkommen
unabhängig von Erdgas aus Russland sein und jegliche Importe
stoppen. 

Die EU hat im vergangenen Jahr Flüssigerdgas aus Russland im Wert von
rund 7,4 Milliarden Euro importiert. Das sind rund 3 Prozent weniger
als 2024 (rund 7,6 Milliarden), wie aus Daten der EU-Statistikbehörde
Eurostat hervorgeht. Insgesamt wurde 2025 Flüssigerdgas (LNG;
liquefied natural gas) im Wert von rund 46,0 Milliarden Euro
importiert. Das meiste - für rund 24,2 Milliarden Euro - kam aus den
USA.