EU-Namensstreit: «Veggie-Burger» ok, «veganer Speck» ade Von Ann-Kristin Wenzel, Valeria Nickel und Niklas Treppner, dpa

05.03.2026 18:40

Es gibt einen Kompromiss: Burger ohne Fleisch dürfen in der EU weiter
als «Veggie-Burger» verkauft werden. «Veganer Speck», «Tofu-Rippc
hen»
oder «Hühnchen» ohne Fleisch müssen aber umbenannt werden.

Brüssel (dpa) - Die Namen «Veggie-Burger» und «Tofu-Wurst» müss
en
nicht von Speisekarten in der EU verschwinden. Darauf einigten sich
Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments in Brüssel, wie
Verhandlungsteilnehmer der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.
Andere vegetarische Produkte dürfen aber künftig nicht mehr etwa als
«Veggie-Hühnchen» oder «Tofu-Rippchen» beworben werden. 

Der Kompromiss muss noch formell vom Europaparlament und den
europäischen Staaten angenommen werden. Er ist das Ergebnis langer
Verhandlungen. Europäische Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr ein
Verbot von Begriffen wie «Tofu-Wurst», «Soja-Schnitzel» oder
«Veggie-Burger» für vegetarische Produkte ins Spiel gebracht. Dies
wurde mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet. 

Ende für vegetarischen Speck, Rippchen und Kotelett

Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für
pflanzliche Alternativen verwendet werden. Dies soll nach der
Einigung nun auch weiter grundsätzlich möglich sein. Tabu sind laut
Vertretern des Parlaments aber Bezeichnungen, die sich auf Tier- bzw.
Fleischarten und einzelne Teilstücke («Cuts») beziehen: zum Beispiel

Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Kotelett oder Speck.

Der Kompromiss greift damit den ursprünglichen Vorschlag der
EU-Kommission wieder auf, den das Europaparlament deutlich verschärft
hatte. Konkret sollten demnach Begriffe wie «Steak», «Schnitzel»,
«Burger» und «Wurst» nur noch für Tierprodukte verwendet werden
dürfen. Die EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören, hatte den
Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Federführend verantwortlich war
die französische Abgeordnete Céline Imart. 

Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten Verhandlungsrunde
mit wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches Verbot - eine
ausreichende Mehrheit im Parlament gab es trotzdem. Die Ja-Stimmen
kamen vor allem von Fraktionen rechts der Mitte. Damit die Vorgaben
in Kraft treten können, ist aber eine Mehrheit auch unter den
EU-Staaten nötig. Die fehlte.

Deutschland gegen Verbot

Deutschland hatte sich bereits klar gegen ein «Veggie-Burger»-Verbot
ausgesprochen. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sagte im
Oktober, ein Verbot würde «unglaublich hohe Kosten für die
Wirtschaft» sowie Bürokratie verursachen. «Ich stehe für
Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht.» Wer

ein Veggie-Schnitzel kaufe, wisse, dass es nicht aus Fleisch ist. 

Auch Verbraucherschützer und Wirtschaftsvertreter lehnen das Vorhaben
ab. Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte
Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten
Produkte umbenennen und könnten sie womöglich nicht mehr so einfach
vermarkten. 

Die Produktion von vegetarischen oder veganen Fleischalternativen
stieg in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes (Destatis) auf 126.500 Tonnen im Jahr 2024
(jüngste verfügbare Jahreszahlen). Das war mehr als doppelt so viel
wie fünf Jahre zuvor. Der Wert der Fleischproduktion war dennoch
vielfach so hoch (Fleisch und Fleischerzeugnisse: 44,3 Milliarden
Euro, Fleischalternativen: 647,1 Millionen Euro). 

Verband befürchtet bei Verbot Millionenschaden

Mehrere Handelsunternehmen, darunter Aldi Süd, Lidl und Burger King,
warnten im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Brief ebenfalls vor
wirtschaftlichen Schäden. Die vertrauten Begriffe böten Orientierung
und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein
Verbot würde den Verkauf erschweren.

Der Bundesverband für Alternative Proteinquellen (BALPro) rechnete
für den Fall von Namensverboten mit erheblichen wirtschaftlichen
Folgen für Hersteller von Fleischersatzprodukten. «Auf Basis interner
Schätzungen und Rückmeldungen zahlreicher betroffener Unternehmen ist
von einem Gesamtschaden in Höhe von rund 250 Millionen Euro
auszugehen», teilte der Lobby- und Branchenverband im Januar mit.
Kosten entstünden demnach vor allem, weil Verpackung neugestaltet und
bisherige vernichtet werden müssten, Marketing und Kommunikation
verändert werden müssten und den Unternehmen Umsätze entgehen
würden. 

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese kommentierte: «Wenn auf einem
Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs
intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt.»
Eigentlich geht es bei dem aktuellen EU-Vorhaben vor allem darum, die
Rolle von Landwirten grundsätzlich zu stärken. Die an den
Verhandlungen beteiligte niederländische Volt-Abgeordnete Anna
Strolenberg bedauerte, wie viel Zeit stattdessen für die
Namens-Debatte aufgewendet wurde - und dass nun zwar nicht der
Begriff «Veggie-Burger», aber zahlreiche andere Wörter auf der
schwarzen Liste landen. «Das ist schade, denn Europa sollte
innovative Unternehmer unterstützen, anstatt ihnen neue Hindernisse
in den Weg zu legen.»