Selenskyj droht Orban mit ukrainischen Soldaten
05.03.2026 19:02
Der Streit um einen EU-Kredit und eine beschädigte Erdöl-Pipeline
eskaliert: Selenskyj schickt eine Warnung an Ungarns Premier Orban.
Budapest reagiert umgehend.
Kiew/Budapest (dpa) - Im Streit über einen von Ungarn blockierten
EU-Kredit droht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem
ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. «Wir hoffen, dass eine
Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht
blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen,
andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter,
auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden», sagte
Selenskyj nach einer erweiterten Regierungssitzung in Kiew. Der
Staatschef betonte, dass sein Land zum EU-Kredit keine Alternative
habe.
In Ungarn wurde umgehend auf die Äußerung reagiert. «Diese Drohungen
und Erpressungen von Selenskyj gehen weit über jedes akzeptable Limit
hinaus», schrieb Orbans Pressesprecher Zoltan Kovacs auf der
Plattform X. Persönliche Emotionen hätten nichts in Angelegenheiten
wie dieser zu suchen. Ungarn werde sich nicht einschüchtern und
erpressen lassen.
Budapest blockiert die Freigabe des EU-Kredits aufgrund des
eingestellten Transits über die Erdölpipeline «Druschba»
(Freundschaft). Ukrainischen Angaben nach wurde diese durch einen
russischen Drohnenangriff Ende Januar auf ein Tanklager bei der
westukrainischen Stadt Brody beschädigt. Ungarn und auch die
ebenfalls vom Transitstopp betroffene benachbarte Slowakei zweifeln
diese Angaben an und fordern Zugang für eine Expertenkommission der
Europäischen Union.
Selenskyj verweigerte diesen unter Verweis auf ukrainische Experten.
«Ich denke, dass unser Wort reicht», sagte er und stellte eine
Reparatur frühestens Mitte April in Aussicht.
