EU-Kommission rügt Wortwahl Selenskyjs als inakzeptabel
06.03.2026 13:36
Der Konflikt um einen EU-Kredit für die Ukraine und ausbleibende
Erdöl-Lieferungen über die Druschba-Pipeline nach Ungarn eskaliert.
Eine Drohung sorgt nun auch in Brüssel für erheblichen Unmut.
Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission von Ursula von der Leyen hat die
Drohungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gegen
Ungarn scharf verurteilt. «Eine solche Wortwahl ist inakzeptabel. Es
darf keine Drohungen gegen EU-Mitgliedstaaten geben», sagte ein
Sprecher der Kommission in Brüssel. Ganz allgemein sei die
«eskalierende und aufrührerische Rhetorik» von allen Seiten nicht
hilfreich.
Im Streit über von Ungarn blockierte Finanzhilfen für die Ukraine
hatte Selenskyj zuvor dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor
Orban offen gedroht. «Wir hoffen, dass eine Person in der
Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und
die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die
Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen
und mit ihm in ihrer Sprache reden», sagte Selenskyj. Von der
Regierung in Budapest wurden die Äußerungen als Einschüchterungs- und
Erpressungsversuch gesehen.
In dem Konflikt zwischen Orban und Selenskyj geht es darum, dass
Ungarn mit einem Veto gegen neue EU-Finanzhilfen und
Russland-Sanktionen versucht, eine schnelle Wiederaufnahme günstiger
Öllieferungen über den Südstrang der Druschba-Pipeline zu erzwingen.
Diese führt von Russland über Belarus und die Ukraine nach Ungarn und
in die Slowakei und wurde nach ukrainischen Angaben im Januar bei
russischen Luftangriffen so stark beschädigt, dass sie nicht mehr
funktionsfähig ist. Die Regierung von Orban geht hingegen davon aus,
dass die Pipeline betriebsfähig ist und die Ukraine aus politischen
Gründen die Wiederaufnahme des Betriebs verhindert.
Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Freitag, wichtig sei es nun,
alle Beteiligten dazu zu bringen, sich zu beruhigen und die Rhetorik
zurückzufahren. Ziel sei es, die Energiesicherheit der EU-Staaten zu
gewährleisten. Zugleich müssten alle möglichen Schritte unternommen
werden, um den Druck auf Russland zu erhöhen und den Kredit für die
Ukraine bereitzustellen.
