Costa lobt EU-Solidarität nach Drohnenangriff auf Zypern

06.03.2026 22:15

EU-Ratspräsident Costa warnt aber auch vor den Folgen einer weiteren
Eskalation im Nahen Osten und mahnt diplomatische Lösungen an.
Ex-Kanzlerin Merkel setzt auf mehr Einigkeit in Europa.

Hamburg (dpa) - EU-Ratspräsident António Costa hat nach dem
Drohnenangriff auf Zypern die verstärkte Militärpräsenz europäische
r
Staaten in der Region gelobt. Die rasche Reaktion Griechenlands,
Frankreichs, Italiens und Spaniens, die unter anderem Kriegsschiffe
und Kampfflugzeuge entsandt hatten, sei ein «kraftvolles Beispiel für
europäische Unabhängigkeit und unerschütterliche Solidarität», sa
gte
er beim traditionellen Matthiae-Mahl im Hamburger Rathaus vor rund
400 Gästen.

Costa besorgt über die Lage in Nahost

Er zeigte sich zugleich von der Lage in Nahost besorgt. Die
Vergeltungsmaßnahmen Irans und seiner Verbündeten in der Region nach
den Angriffen der USA und Israels «untergraben den internationalen
Frieden und die Sicherheit», sagte Costa. Die Folgen einer weiteren
Eskalation wären gravierend, «auch im wirtschaftlichen Bereich, wie
die Blockade der Straße von Hormus zeigt». Eine nachhaltige Lösung
des Konflikts sei nur auf diplomatischem Wege zu erreichen.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde seien im heutigen
geopolitischen Kontext wichtiger denn je. «Die Europäische Union wird
stets eine regelbasierte internationale Ordnung verteidigen, die auf
Völkerrecht, Multilateralismus und den in der Charta der Vereinten
Nationen verankerten Prinzipien beruht», sagte Costa. «Die
Alternative sind Chaos und Gewalt.»

Völkerrechts-Verstöße nicht hinnehmbar

Deshalb könne man Verstöße gegen das Völkerrecht nicht hinnehmen -

«weder in der Ukraine, Grönland, Lateinamerika, Afrika noch im
Gazastreifen». Ebenso seien Menschenrechtsverletzungen nicht
hinnehmbar - «weder im Iran, noch im Sudan oder in Afghanistan.»

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Länder Europas zu
Einigkeit und Geschlossenheit auf. «Europa muss sein Schicksal mehr
denn je in die eigene Hand nehmen», sagte die CDU-Politikerin. Sie
wünsche sich ein Europa, das nach innen und nach außen handlungsfähig

sei und mit einer Stimme in der Welt wahr- und ernst genommen werde.

Merkel: Geeintes Europa geht weit über Sicherheitsaspekt hinaus

«Das geht für mich weit über den Sicherheitsaspekt hinaus», betonte

Merkel. Ein geeint handelndes Europa bedeute Eintreten für
Demokratie, Rechtsstaat, Menschenwürde, Wohlstand, Arbeitsplätze,
aber auch den Schutz der Außengrenzen, der kulturellen Identität und
der gemeinsamen Schöpfung.
Auch im digitalen Bereich müsse die EU mehr Unabhängigkeit erreichen,
«sowohl bei der Software als auch bei der Hardware».

Merkel betonte, sie wünsche sich im Ukraine-Konflikt, dass die
Europäische Union «sowohl als militärischer Unterstützer der Ukrain
e
gegenüber dem Aggressor Russland auftritt - das ist wichtig und
unabdingbar -, aber auch ihre diplomatische Kraft für eine Beendigung
dieses Angriffskriegs in die Waagschale wirft». Sie sei schon 2021
überzeugt gewesen, dass Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten
Wladimir Putin nicht allein den USA überlassen werden dürften. 

Militärische und diplomatische Stärke essenziell für Europa

«Es geht hier um vitale Interessen Europas», sagte die
CDU-Politikerin. Nur mit beidem - militärischer und diplomatischer
Stärke - «werden wir das erreichen, was wir wollen, dass Russland den
Krieg nicht gewinnt und somit die Ukraine als souveräner Staat in
Frieden und Freiheit eine Zukunft hat».

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher nahm vor allem die
wirtschaftlichen Folgen in den Blick und kritisierte die Zollpolitik
von US-Präsident Donald Trump. Als Hansestadt liebe Hamburg den
internationalen Handel und die Freihandelsabkommen der Europäischen
Union, sagte der SPD-Politiker. «Was wir nicht so gerne mögen, sind
protektionistische Tendenzen und die aktuelle US-Zollpolitik.» Das
Festmahl stand unter der Überschrift «Souveränität Europas in der

geopolitischen Zeitenwende».

Matthiae-Mahl gilt als ältestes Festmahl der Welt

Das Matthiae-Mahl gilt als das älteste noch gefeierte Festmahl der
Welt, soll erstmals 1356 ausgerichtet worden sein. «Der Matthiae-Tag
am 24. Februar war der Beginn des Geschäftsjahres der Kaufleute und
damit ein guter Zeitpunkt, bestehende Kontakte zu pflegen und neue
Verbindungen zu knüpfen oder - um es mit den Worten von Donald
Trump zu sagen - neue Deals einzufädeln», sagte Tschentscher. 

Eingeladen werden heute immer ein ausländischer und ein deutscher
Ehrengast: Im vergangenen Jahr waren EU-Wettbewerbskommissarin Teresa
Ribera sowie die «Wirtschaftsweise» Monika Schnitzer ins Rathaus
gekommen.