Deutscher soll Chef der EU-Staatsanwaltschaft werden

10.03.2026 03:35

Der deutsche Jurist Andrés Ritter steht vor der Ernennung zum Chef
der EU-Staatsanwaltschaft. Die Behörde deckt jährlich Betrugsfälle in

Milliardenhöhe auf. Welche Delikte hat er besonders im Blick?

Luxemburg/Straßburg (dpa) - Der deutsche Top-Jurist Andrés Ritter
steht kurz vor der Ernennung zum Europäischen Generalstaatsanwalt.
Die heute vorgesehene Zustimmung des Europaparlaments in Straßburg
ist der finale Schritt, um ihn zum obersten Vorkämpfer gegen Betrug
und Korruption in der Europäischen Union zu machen.

Am Montag hatten bereits die EU-Staaten der Personalie zugestimmt.
Das Parlament und Rat der EU ernennen den Leiter der Europäischen
Staatsanwaltschaft (EUStA) einvernehmlich.

An der Spitze der EUStA (oder auf Englisch Eppo) mit aktuell rund 300
Mitarbeitenden und Sitz in Luxemburg steht bislang die Rumänin Laura
Kövesi. Ihre siebenjährige Amtszeit endet Ende Oktober, Ritter ist
bislang ihr Stellvertreter. Dem jüngsten Eppo-Jahresbericht zufolge
arbeiteten die Ermittler zum Stichtag Ende 2025 an einer Rekordzahl
von 3.602 aktiven Fällen mit einem geschätzten Gesamtschaden von gut
67 Milliarden Euro.

Mehrwertsteuerbetrug profitträchtiger als Drogenhandel

Der Großteil des Schadens ist mit geschätzten 45 Milliarden Euro nach
Angaben der Behörde auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug
zurückzuführen. «Es ist überraschend und erschreckend, dass dieses

Phänomen so lange ignoriert worden ist», sagte Ritter im Gespräch mit

der Deutschen Presse-Agentur. Der Profit übertreffe selbst den des
lukrativen Drogenhandels, wobei das Risiko, erwischt und bestraft zu
werden, viel geringer sei. «Das ist auch für kriminelle
Organisationen ein sehr, sehr einträgliches Modell», erklärte der
frühere Rostocker Oberstaatsanwalt.

Bei international organisierter Kriminalität stehen rein nationale
Behörden laut Ritter oft vor unlösbaren Problemen, weil Lieferketten,
Geldflüsse und Beteiligte über mehrere Länder verteilt sind. Die
Stärke der EUStA sei aber, dass sie Zusammenhänge, Strukturen und
Hintermänner grenzüberschreitend erkenne, erläutert der
EU-Staatsanwalt.