Britisches Unterhaus gegen Social-Media-Aus für Kinder
10.03.2026 19:04
In Großbritannien wird intensiv über ein Social-Media-Verbot für
Kinder und Jugendliche diskutiert. Eine Abstimmung im Parlament
versetzt Befürwortern einen Dämpfer.
London (dpa) - Die Abgeordneten des britischen Unterhauses haben ein
Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren
abgelehnt. Die Mitglieder des House of Commons stimmten deutlich
gegen eine entsprechende Gesetzesänderung, die im House of Lords
befürwortet worden war. Für ein Verbot von Plattformen wie Tiktok und
Snapchat für Kinder sprachen sich am Montagabend nur 173
Parlamentarier aus, 307 stimmten dagegen. Das Thema dürfte damit aber
nicht vom Tisch sein.
Eine Altersgrenze für soziale Medien nach australischem Vorbild war
im Januar von den Lords befürwortet worden, auch Stars wie der
britische Schauspieler Hugh Grant («Notting Hill») unterstützten die
Initiative. Abgestimmt hatten die Lords in London über einen
Änderungsantrag zum Gesetzesvorschlag «Children's Wellbeing and
Schools Bill», der insbesondere auch den Kinderschutz stärken soll.
Dieser liegt nun wieder beim House of Lords. Der gesamte
Gesetzesentwurf tritt erst dann in Kraft, wenn beide Häuser dem
endgültigen Entwurf zustimmen.
Die Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer hatte sich zwar
gegenüber einem solchen Verbot von Beginn an zurückhaltend gezeigt -
jedoch eine Konsultation angekündigt, in der entsprechende Fragen
auch zu einem Mindestalter für soziale Medien geprüft werden sollen.
Diese startete laut PA in der vergangenen Woche.
Social-Media-Verbot auch in Deutschland Debatte
Die Abgeordneten hatten zudem laut PA einen Regierungsantrag
befürwortet, der der Technologieministerin Liz Kendall mehr
Befugnisse einräumt. Damit könnte Kendall ein solches Verbot in
Zukunft möglicherweise einführen.
In Australien, das zum britischen Commonwealth of Nations gehört, war
im vergangenen Jahr ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden.
Seither gibt es in vielen Ländern Diskussionen über ein solches
Verbot, auch in Deutschland. Entgegen mancher Vorschläge, die derzeit
diskutiert werden, dürften Deutschland und andere EU-Mitgliedsländer
den großen Social-Media-Plattformen allerdings gar keine zusätzlichen
Pflichten, etwa zur Alterskontrolle, auferlegen. Ein solches Gesetz
müsste auf EU-Ebene entschieden werden.
