EU-Kommission wirbt für niedrigeren Strompreis für Haushalte
10.03.2026 20:44
Hohe Strompreise belasten Familien und Betriebe. In Deutschland gibt
es für die Industrie eine Erleichterung. Die EU-Kommission schlägt
das auch für Verbraucher vor - und hat weitere Ideen.
Straßburg (dpa) - In der Debatte um Energiepreise schlägt die
Europäische Kommission den Mitgliedstaaten vor, die Steuern auf Strom
für Haushalte auf das von der EU festgelegte Minimum zu senken.
Dadurch könnte die Stromrechnung für Verbraucher nach Angaben der
Brüsseler Behörde um 14 Prozent beziehungsweise durchschnittlich 200
Euro pro Jahr niedriger werden.
Das europäische Mindestmaß für private Verbraucher liegt bei 0,1 Cent
je Kilowattstunde (kWh), für Unternehmen bei 0,05 Cent je kWh. In
Deutschland ist die Stromsteuer für private Verbraucherinnen und
Verbraucher derzeit wesentlich höher, sie beträgt 2,05 Cent je kWh.
Für die Industrie hat die schwarz-rote Bundesregierung die
Stromsteuer zum Januar dauerhaft auf das EU-Mindestmaß gesenkt. Im
Koalitionsvertrag war dies für alle Firmen und auch für die
Verbraucher angekündigt worden.
Die Brüsseler Behörde schlägt den 27 EU-Staaten außerdem unter
anderem vor, auch die Netzentgelte für Verbraucher auf ein Minimum zu
senken.
Fokus auf Bürger
«Wir haben immer noch viel zu viele Bürger in Europa, die
Schwierigkeiten haben, ihre Energierechnungen zu bezahlen», sagte der
EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen, Dan Jørgensen. Aktuell
sorge die Krise im Nahen Osten für zusätzliche Unsicherheit. «Solange
Europa von importierten fossilen Brennstoffen abhängig ist, bleiben
wir den globalen Schwankungen ausgesetzt.» Die aktuellen Vorschläge
sollen langfristig wirken und sind keine Reaktion auf den
Iran-Krieg.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) werde innerhalb der nächsten
drei Jahre mehr als 75 Milliarden Euro zur Unterstützung der Ziele
der Energiewende bereitstellen, teilte die Kommission mit. Private
Investitionen - etwa durch Pensions- und Staatsfonds und
Versicherungen - in saubere Energieprojekte sollen den Bedarf nach
fossiler Energie senken.
Anbieter schneller wechseln
Verbraucher sollen außerdem innerhalb von 24 Stunden ihren
Energieanbieter wechseln können. Die EU-Kommission macht Vorgaben,
damit dies nicht an technischen Hürden scheitert, und will die
Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen Angeboten verbessern. Ein
Ziel ist zudem, dass mehr Haushalte selbst Energie produzieren - zu
Beispiel mit Hilfe von Solaranlagen auf dem Dach.
Daneben will die Kommission wieder stärker auf die Kernenergie
setzen. Die EU wolle die Forschung sowie Investitionen in die
Kernenergie unterstützen, kündigte Präsidentin Ursula von der Leyen
an. Kleine modulare Reaktoren sollen bis Anfang der 2030er Jahre
einsatzbereit sein. In der Bundesregierung ist das Thema Atomkraft
umstritten.
