Forscher: Fluchtwege aus dem Iran nach Europa versperrt

11.03.2026 08:42

Auf die Menschen im Iran würden Soldaten an der Grenze warten, sagt
der Migrationsforscher Gerald Knaus. Warum der Fokus aus seiner Sicht
daher auf der humanitären Lage im Land liegen müsse.

Wien/Brüssel (dpa) - Trotz der anhaltenden Angriffe auf den Iran
erwartet der Migrationsforscher Gerald Knaus keine große
Fluchtbewegung nach Europa. Da Staaten wie die Türkei ihre
Grenzbefestigung stark ausgebaut hätten, gebe es derzeit keine
Fluchtwege, sagte der österreichische Vorsitzende der Denkfabrik
Europäische Stabilitätsinitiative (ESI) im Deutschlandfunk. «Wenn wir

Grenzen haben, an denen Soldaten stehen, die einen Schießbefehl
haben, dann können auch die am meisten verzweifelten Menschen der
Welt ihr Land nicht verlassen.»

Migrationsforscher warnt vor humanitärer Katastrophe

Der Fokus müsse stattdessen auf der humanitären Lage im Iran liegen,
sagte Knaus. «Auch wenn es Menschen nicht schaffen, in großer Zahl zu
fliehen, bedeutet das nicht, dass ihre Lage im Land nicht
katastrophal sein kann», sagte Knaus. So sei es derzeit etwa für die
Menschen in Gaza der Fall, über die derzeit wenig gesprochen werde -
«vielleicht auch, weil wenige von ihnen es irregulär nach Europa
schaffen», so Knaus. 

Er verweist auch auf die Situation im Libanon: Durch die Kämpfe
zwischen Israel und der Hisbollah wurden dort innerhalb des Landes
viele Menschen vertrieben, von denen aber wenige nach Europa gekommen
seien. Dennoch habe es dort eine humanitäre Katastrophe gegeben,
während «die Hilfsgelder für Organisationen, die sich um Vertriebene

kümmern, weltweit immer mehr reduziert werden», sagte Knaus.

Knaus gilt als einer der Architekten des Flüchtlingsabkommens von
2016 mit der Türkei, das nach der Flüchtlingswelle die irregulären
Einreisen in die EU zurückgehen ließ.