Nach US-Ankündigung: EU warnt Trump vor neuen Sonderzöllen

12.03.2026 13:20

Erwägt US-Präsident Donald Trump eine Aufkündigung des Zolldeals mit

der EU? Eine neue Untersuchung zu Überkapazitäten sorgt in Brüssel
für Unruhe.

Brüssel/Washington (dpa) - Die EU warnt US-Präsident Donald Trump vor
neuen Sonderzöllen auf die Einfuhr von Industrieprodukten aus Europa.
Man erwarte, dass sich die USA vollständig an den im vergangenen
Sommer geschlossenen Zolldeal halten, sagte ein Sprecher der
Europäischen Kommission in Brüssel. Auf jeden Verstoß gegen die
Verpflichtungen aus dem Abkommen werde man «entschlossen und
verhältnismäßig» reagieren. 

Zugleich betonte der Sprecher, dass die Kommission bislang keinerlei
Hinweise darauf erhalten habe, dass die Vereinigten Staaten von ihren
Verpflichtungen abweichen wollten.

Die US-Regierung hatte zuvor Untersuchungen angekündigt, deren
Ergebnisse auch als Grundlage für neue Strafzölle dienen könnten. Bei

ihnen soll es darum gehen, herauszufinden, ob strukturelle
Überkapazitäten in Fertigungssektoren in der Europäischen Union und
in anderen Ländern zu Nachteilen für die US-Wirtschaft führen. Die
Untersuchung stützt sich auf einen Passus eines Handelsgesetzes von
1974. In der Vergangenheit hatten die USA diesen Mechanismus etwa
genutzt, um Strafzölle gegen China zu verhängen.

EU will gemeinsam mit USA gegen Überkapazitäten kämpfen

Der Sprecher der EU-Kommission sagte, die Kommission sei vom
US-Handelsbeauftragten über die Entscheidung für die Untersuchungen
informiert worden. Sie teile die Sorge der Vereinigten Staaten
hinsichtlich struktureller Überkapazitäten in der Weltwirtschaft. Die
Ursachen solcher Überkapazitäten seien jedoch klar identifiziert, und
sie lägen nicht in Europa.

«Die EU ist eine marktwirtschaftlich geprägte Wirtschaft mit offenen
Märkten und transparenten politischen Rahmenbedingungen», sagte der
Sprecher. Die EU betrachte sich daher nicht als Verursacher
struktureller Überkapazitäten, sondern als Partner bei der Bekämpfung

globaler Verzerrungen.

Die Herausforderungen ließen sich am besten durch Zusammenarbeit
unter Partnern bewältigen, wie dies auch in den Vereinbarungen aus
dem vergangenen Sommer zum Ausdruck komme. Die Kommission werde die
Einzelheiten der US-Untersuchung sorgfältig prüfen.

Noch viele Fragezeichen bei Zolldeal

Unklar ist weiterhin auch, welche Auswirkungen die jüngste
Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA zur Handelspolitik von
Trump hat. Das Gericht hatte die Rechtsgrundlage für einen Großteil
der bisherigen Zölle des Republikaners für rechtswidrig erklärt. 

Trump ließ darauf ein Zollsystem einführen, das dazu führt, dass
einige Importe aus der EU derzeit mit Zollsätzen von über 15 Prozent
belegt sind. Das verstößt eigentlich gegen den Zolldeal aus dem
vergangenen Jahr. 

Aus EU-Sicht muss Trump zudem auch noch die Zölle auf Stahl- und
Aluminiumexporte aus der EU senken, um das Abkommen vollständig
einzuhalten. Die EU hat deswegen auch Handelserleichterungen für
US-Produkte noch nicht umgesetzt.