Piloten streiken: Hunderte Flugausfälle bei der Lufthansa Von Christian Ebner, dpa
12.03.2026 15:58
Am ersten Tag des Pilotenstreiks fallen in Frankfurt und München
Hunderte Flüge aus. Die Gewerkschaft spricht von einer stärkeren
Wirkung als erwartet.
Frankfurt/Main (dpa) - Der auf zwei Tage angelegte Pilotenstreik bei
der Lufthansa hat an den Drehkreuzen München und Frankfurt Hunderte
Flüge ausfallen lassen. Das berichten die jeweiligen
Flughafenbetreiber für den Donnerstag. Danach fielen am ersten
Streiktag in Frankfurt rund 400 von 1.165 geplanten Starts und
Landungen aus. In München wurden 230 von rund 800 Flugbewegungen
gestrichen. Die Zahlen beziehen sich auf alle Fluggesellschaften, die
Ausfälle sind wesentlich der Lufthansa zuzuordnen.
Gewerkschaft sieht mehr Ausfälle als erwartet
Die streikende Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) berichtete von
einer hohen Beteiligung der Beschäftigten an der bereits zweiten
Streikwelle. Der Arbeitskampf verlaufe wirkungsvoller als erwartet,
sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro.
Zwischen Gewerkschaft und Unternehmen entspann sich ein Streit um die
Wirksamkeit der Streiks, die fortgesetzt werden sollen. Lufthansa
bekräftigte ihre Ankündigung, dass auch am Freitag nach dem
Sonderflugplan mindestens die Hälfte der sonst üblichen Flüge
stattfinde. Von den Fernflügen sollten sogar rund 60 Prozent
stattfinden. Hier werden die Flugzeuge häufig auch von Piloten
geflogen, die bei der Lufthansa ins Management gewechselt sind, aber
ihre Lizenz aufrechterhalten.
VC zweifelt Lufthansa-Angaben an
Die VC beharrte hingegen darauf, dass bis 15.00 Uhr rund 70 Prozent
der Flugzeuge am Boden geblieben seien. Dafür gebe es eine solide
Datengrundlage. Der Sprecher der Tarifkommission, Arne Karstens,
zweifelte die Zahlen der Lufthansa an. Er sagte laut einer
Mitteilung: «Welche Grundlage die Lufthansa für ihre Darstellung
heranzieht, erschließt sich uns nicht. Dass das Unternehmen seine
Zahlen gerne etwas geschönt darstellt, ist ein bekanntes Vorgehen.»
Vor dem Streik hatte VC-Präsident Pinheiro deutlich gemacht, dass die
VC auch bei weniger Flugausfällen eine ausreichende Streikwirkung
erwarte.
Eurowings fliegt
In den Terminals herrsche ganz normaler Betrieb, sagte ein Sprecher
des Frankfurter Betreibers Fraport. Nur in den Lufthansa-Abschnitten
sei es etwas ruhiger. An den übrigen deutschen Flughäfen fielen vor
allem die Zubringerflüge an die Drehkreuze aus. Andere
Lufthansa-Gesellschaften wie die Eurowings und sämtliche
ausländischen Töchter wurden nicht bestreikt.
Lufthansa wollte nach eigener Ankündigung größere Flugzeuge
einsetzen, Lufthansa-Flüge von nicht bestreikten Konzernairlines
erledigen lassen und freiwillige Crews einsetzen. An diesen Planungen
für beide Streiktage habe es keine Änderungen mehr gegeben, erklärte
eine Sprecherin des Unternehmens. Laut VC werden auch Subunternehmen
eingesetzt.
Von Ausfällen betroffene Gäste sollten per E-Mail benachrichtigt
werden. Gäste, die nicht kontaktiert werden, könnten vorerst davon
ausgehen, dass ihr Flug nicht betroffen ist. Flüge ins Krisengebiet
Nahost sollen nicht bestreikt werden. Zu einem normalen Flugbetrieb
werde man voraussichtlich am Samstag zurückkehren können.
Erste Entspannung am Freitag
Für den Freitag wird eine erste Entspannung erwartet, weil die kleine
Teilgesellschaft Lufthansa Cityline nur einen Tag lang bestreikt
werden sollte. Die Regionaltochter übernimmt Zubringerflüge von
kleineren Flughäfen an die beiden Drehkreuze.
Die Gewerkschaft hat die mehr als 5.000 Piloten der Flugbetriebe
Lufthansa, Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline zum Streik
aufgerufen. Während es bei der Regionaltochter Cityline um eine
Anhebung der Gehälter geht, streiten die Tarifpartner bei der Cargo
und der Kerngesellschaft um höhere Betriebsrenten.
Kein neues Angebot
Lufthansa hatte die zweite Streikwelle als unnötige Eskalation
bezeichnet und auf die angespannte Ertragssituation bei der
Kerngesellschaft Lufthansa verwiesen. Der Gewerkschaft zufolge hat
Lufthansa zunächst kein neues Angebot vorgelegt. Der Streik laufe
daher weiterhin wie geplant.
Der Flughafenverband ADV appellierte an die Tarifparteien, sich am
Verhandlungstisch möglichst schnell zu einigen. Passagiere würden von
den Streiks immer zuerst getroffen, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph
Beisel. In einer ohnehin angespannten Situation werde die deutsche
Luftfahrt zusätzlich verunsichert. «Der Standort Deutschland kann
sich weitere Belastungen für die Konnektivität und die
Zuverlässigkeit des Luftverkehrs kaum leisten.»
