CDU-Mann fordert zur AfD-Kooperation Aufklärung und Konsequenzen

15.03.2026 16:10

Geheime Chats und ein Treffen: Wie eng arbeiteten Unionsleute im
Europaparlament mit der AfD zusammen? Nun äußert sich ein Berliner
CDU-Politiker.

Berlin (dpa) - Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Röwekamp fordert
«umgehende und vollständige Aufklärung und auch Konsequenzen»,
nachdem Absprachen von Unionsleuten der EVP-Fraktion mit der AfD und
anderen rechten Parteien im Europaparlament bekanntgeworden sind.
«Zusammenarbeit und Absprache - in welcher Form auch immer - ist ein
schwerer Verstoß gegen die Beschlüsse der Union, die jede Art der
inhaltlichen und organisatorischen Verabredungen verbieten», sagte
Röwekamp, der im Bundestag den Verteidigungsausschuss leitet, dem
Nachrichtenmagazin «Focus».

Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, der Grüne Anton
Hofreiter, forderte die Vorsitzenden von CSU und CDU auf, tätig zu
werden. «Markus Söder und Friedrich Merz müssen ihre Parteifreunde
zur Ordnung rufen. Das darf nicht wieder passieren», sagte er dem
Magazin. «Das hat jetzt eine ganz andere Dimension als die zufälligen
Mehrheiten, die wir öfter bereits gesehen haben und die schon schlimm
genug sind.» Eine koordinierte Zusammenarbeit mit der AfD und ihren
europäischen Schwesterparteien sei «eine große Gefahr».

Hintergrund ist eine Recherche der Deutschen Presse-Agentur, wonach
die konservative EVP im Europaparlament, der auch CDU und CSU
angehören, deutlich enger mit den rechten Fraktionen kooperierte als
bisher bekannt. Eine dieser Fraktionen ist die ESN (Europa der
souveränen Nationen), zu der die AfD gehört. In einer WhatsApp-Gruppe
und bei einem persönlichen Treffen arbeiteten die Abgeordneten vor
einer wichtigen Abstimmung gemeinsam an einem Gesetzesvorschlag zur
Verschärfung der Migrationspolitik, der kurz darauf im zuständigen
Ausschuss des Europaparlaments die notwendige Mehrheit bekam.
EVP-Fraktionschef Manfred Weber (CSU) hatte bislang immer den
Eindruck vermittelt, dass es eine solche Art von Kooperation mit
rechten Parteien nicht gibt.

Der «Bild»-Zeitung hatte er nach dem Bekanntwerden gesagt: «Die AfD
spielt für die Mehrheiten und die Inhalte keine Rolle. Ich gebe als
Fraktionsvorsitzender die Strategie vor. Ich kontrolliere aber nicht
die Chatgruppen von Mitarbeitern.»

Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann greift ihn im
«Focus» nun massiv an: «Da Manfred Weber der Chef der Fraktion ist,
ist er auch das Gesicht des Skandals und verantwortlich. Aus der
Nummer kann er sich nicht davonstehlen.»