Nahost-Konflikt: EU sucht Lösungen für hohe Energiepreise Von Katharina Redanz, dpa

16.03.2026 05:00

Auch gut zwei Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs ist Europa weiter
ausreichend mit Öl und Gas versorgt - aber die Preise steigen. In
Brüssel wird nach Lösungen gesucht. Wie könnten die aussehen?

Brüssel (dpa) - An den Tankstellen ist es deutlich sichtbar: Infolge
des Iran-Kriegs sind Verbraucher und Unternehmen in Europa mit
steigenden Energiepreisen konfrontiert. Was tun? Darüber laufen in
der EU die Diskussionen. Die Staats- und Regierungschefs wollen bei
ihrem Gipfeltreffen Ende der Woche über Lösungen für die stark
steigenden Energierechnungen sprechen. 

Schon heute beraten Energieministerin Katherina Reiche (CDU) und ihre
Amtskolleginnen und -kollegen der anderen EU-Länder bei einem Treffen
in Brüssel über die Folgen des Konflikts im Nahen Osten - und vor
allem darüber, wie sich die Preise senken und abfedern lassen. Fragen
und Antworten. 

Wie ist die Situation? 

Nachdem bereits die russische Invasion der Ukraine durch Russland
2022 zu einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise geführt hatte,
ist der Krieg im Iran nun innerhalb weniger Jahre das zweite
geopolitische Ereignis, das die Energiekosten in der EU stark nach
oben treibt. 

In den ersten zehn Tagen des Krieges stiegen die Gaspreise in der EU
laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen um 50 Prozent und
die Ölpreise um 27 Prozent. Dadurch entstehende zusätzliche Kosten
für Importe fossiler Brennstoffe bezifferte sie auf rund 3 Milliarden
Euro. 

Während der letzten Energiekrise taten sich die EU-Länder schwer,
sich auf weitreichende europaweite Reformen des Strommarktes zu
einigen. Diese Debatte ist nun zurück. 

Wie könnten die Preise gesenkt werden? 

Es gibt unterschiedliche Ideen zur Kostensenkung.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigte vergangene Woche an,
mehrere Preiskomponenten zu prüfen: Neben den reinen Energiekosten
auch die Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie den CO2-Preis. Für
den Klimaschutz müssen Unternehmen in der EU Rechte zum Ausstoß von
Treibhausgasen erwerben. Italien etwa fordert eine Art der Aussetzung
dieses Handelssystems mit Treibhausgas-Zertifikaten zur Abfederung
der hohen Preise. 

Die EU-Kommission bereitet ihren Angaben nach verschiedene Optionen
vor. Entscheidend sei, dass der Strompreis nicht nach oben schnelle,
wenn Gas den Preis bestimme, sagte von der Leyen vergangene Woche. So
soll eine bessere Nutzung von Stromabnahmeverträgen (Power Purchase
Agreements) und Differenzverträgen erzielt und Möglichkeiten
staatlicher Beihilfemaßnahmen und von Subventionen geprüft werden,
wie von der Leyen vergangene Woche ankündigte. Zudem werde den
Angaben nach geschaut, wie die Netzentgelte für die Nutzung der
Stromnetze gesenkt sowie Abgaben angefasst werden können. 

Mit Differenzverträgen garantieren Staaten Stromerzeugern einen
Mindestpreis für Strom, wenn sie neue Investitionen tätigen. Power
Purchase Agreements sind langfristige Stromabnahmevereinbarungen
zwischen Energieerzeugern und gewerblichen Abnehmern und bieten somit
unter anderem Preisstabilität. 

Warum beeinflussen die Gaspreise die Stromkosten? 

Der Strommarkt in der EU funktioniert nach dem sogenannten
Merit-Order-Prinzip. Das bezeichnet die Einsatzreihenfolge der an der
Strombörse anbietenden Kraftwerke. Um den Strombedarf zu decken,
werden erst die kostengünstigeren Kraftwerke dazugeschaltet, zum
Beispiel Windkraft und Solarenergie. Reicht das, was sie produzieren,
nicht, kommen Kraftwerke mit höheren Produktionskosten dazu. Am Ende
richtet sich der Preis immer nach dem teuersten Kraftwerk - oft
Gaskraftwerke. 

Kommt eine Neuauflage des EU-Gaspreisdeckels? 

Die Kommission kündigte für den Fall, dass der Gaspreis den
Strompreis bestimmt, auch an, eine Subvention oder eine Deckelung des
Gaspreises zu prüfen. Offen ließ Präsidentin von der Leyen, ob so
eine Maßnahme von einzelnen Ländern oder von der EU kommen würde.
Wenn sie Teil der Regeln für den Strommarkt wäre, dann würde sie auf

EU-Ebene beschlossen und geregelt werden. 

Im Dezember 2022 führte die EU als Reaktion auf die Energiekrise
infolge Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine einen sogenannten
Gaspreisdeckel ein. Der Anfang 2025 ausgelaufene Mechanismus
begrenzte den Gaspreis im europäischen Großhandel unter bestimmten
Bedingungen. 

Die Einführung war umstritten. Deutschland und die Niederlande etwa
äußerten lange Bedenken bezüglich der Versorgungssicherheit und
befürchteten, dass Lieferanten ihr Gas an anderen Märkten verkaufen
könnten, wo höhere Preise erzielt werden. Auch eine Neuauflage dieses
Markteingriffs dürfte nicht von der Bundesregierung forciert werden.