Nato-Staaten stemmen sich gegen Einsatz vor Irans Küste

16.03.2026 14:10

Könnte die Nato dabei helfen, die Straße von Hormus gegen iranische
Attacken zu sichern? US-Präsident Donald Trump ist dieser Meinung,
doch seine Alliierten zögern.

Brüssel/Berlin/London (dpa) - Deutschland und wichtige Verbündete
lehnen Forderungen von US-Präsident Donald Trump ab, auch
Kriegsschiffe anderer Nato-Staaten zum Schutz von Öltankern in die
umkämpfte Straße von Hormus zu schicken. Verteidigungsminister Boris
Pistorius (SPD) sagte: «Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht
begonnen. Wir wollen diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende,
aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht
bei.» 

Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte, die Allianz sei nicht
zuständig für den Schutz des Schiffsverkehrs in der Meerenge zwischen
dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Regierungssprecher Stefan
Kornelius stellte klar: «Dieser Krieg hat mit der Nato nichts zu tun.
Das ist nicht der Krieg der Nato.»

Trump hatte die Verbündeten in dem Militärbündnis zuvor mit
konfrontativen Worten zur Unterstützung bei der Sicherung von
Öltransporten in der Straße von Hormus aufgefordert. Die Nato werde
vor einer düsteren Zukunft stehen, sollten die Partner dabei nicht
helfen, sagte er der «Financial Times». 

Der Schiffsverkehr in der Meerenge, eine zentrale Route für den Öl-
und Gastransport, ist wegen der Angriffe Israels und der USA auf den
Iran und dessen Gegenschlägen in der Region quasi zum Erliegen
gekommen. Seither ist der Ölpreis stark gestiegen, auch die Freigabe
von Ölreserven durch führende Industriestaaten konnte ihn nicht
bremsen.

«Das wird keine Nato-Mission sein»

Auch ein Nato-Sprecher reagierte zurückhaltend zu den Forderungen
Trumps nach einem Bündniseinsatz. Alliierte hätten bereits
zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen im Mittelmeer ergriffen. Es sei
zudem bekannt, dass einzelne Alliierte mit den USA und anderen
darüber sprächen, was sie darüber hinaus tun könnten.

Der britische Premierminister Keir Starmer sagte, gefragt sei nicht
die Nato, sondern ein Bündnis aus den USA, Europäern und Partnern am
Golf. «Das wird keine Nato-Mission sein und war auch nie als eine
solche vorgesehen.» Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles
sagte, ihre Regierung ziehe eine Beteiligung nicht in Betracht.
Vielmehr müsse der Krieg beendet werden, denn dieser sei sinnlos und
illegal.

Einsatz «out of area» müsste einstimmig beschlossen werden

Als sehr unwahrscheinlich gilt ein Nato-Einsatz vor der Küste des
Irans vor allem deswegen, weil die Straße von Hormus nicht zum
Bündnisgebiet zählt und sich die USA deswegen nicht auf die
Beistandspflicht nach Artikel 5 berufen können. Ein Einsatz dort wäre
deswegen eine sogenannte «Out-of-area»-Operation, der alle Alliierten
zustimmen müssten. 

Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf US-Beamte,
die amerikanische Regierung werde voraussichtlich diese Woche
bekanntgeben, dass mehrere Länder eine Koalition bilden wollten, die
Schiffe durch die Meerenge eskortieren soll. Die USA und potenzielle
Mitstreiter diskutierten noch, ob diese Einsätze vor oder nach
Kriegsende beginnen sollen.

Polen will möglichen Antrag der USA prüfen

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski reagierte sehr vorsichtig auf
den Vorschlag Trumps. «Sollte ein Antrag an die Nato gestellt werden,
über den Schutz der Straße von Hormus zu beraten, werden wir dies aus
Respekt und Sympathie für unseren amerikanischen Verbündeten prüfen
»,
sagte er. Er ergänzte, Präsident Karol Nawrocki habe eine
Teilnahme an einem Militäreinsatz bereits ausgeschlossen.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen schrieb auf X, die USA
verfügten auch allein über die Mittel, die Straße von Hormus rasch
wieder zu öffnen, indem sie die iranische Wirtschaft zum
Zusammenbruch zwingen. «Dieses Ziel lässt sich durch ein
vollständiges Embargo gegen iranisches Öl erreichen», schrieb er auf

Englisch. Die Blockade des gesamten Schiffsverkehrs in und aus
iranischen Häfen sollte dank der massiven Präsenz der US-Marine
möglich sein.