EU-Ratschef will Gespräche mit Russland vorbereiten
17.03.2026 06:11
Mit Russland über Energiepreise reden? Auf keinen Fall, sagt der
EU-Ratspräsident. Aber irgendwann wohl über Frieden in der Ukraine.
Das hat auch mit Trump zu tun.
Brüssel (dpa) - Die Europäische Union sollte sich aus Sicht von
Ratspräsident António Costa trotz des laufenden Ukraine-Kriegs auf
mögliche Gespräche mit Russland vorbereiten. Es könnte eines Tages
nötig sein, die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um einen
Frieden in der Ukraine zu übernehmen, sagte Costa in einem Interview
des Nachrichtenagentur-Netzwerks European Newsroom (enr). Denkbar
wäre dies nach seinen Worten etwa, wenn Trump mit seinen
Anstrengungen scheitern oder aber beschließen sollte, sie nicht mehr
fortzusetzen.
Costa mahnte zugleich an, bei Kontakten mit Russland keine
Alleingänge zu unternehmen. Derzeit sollten Trumps Bemühungen um
einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine nicht gestört
werden, sagte der frühere portugiesische Regierungschef. «Vorerst
besteht unser Hauptbeitrag dazu darin, den wirtschaftlichen Druck auf
Russland zu erhöhen und die Ukraine weiterhin mit allen Mitteln zu
unterstützen.»
Die gestiegenen Preise für Öl, Gas und Sprit ändern laut Costa nichts
an der Strategie der EU. «Wir wollen uns von der russischen
Energieversorgung unabhängig machen und nicht mit Russland über den
Energiepreis verhandeln», betonte er im Interview des enr-Netzwerks,
zu dem auch die Deutsche Presse-Agentur gehört.
Costa kritisiert Orban und Selenskyj
Zu der aktuellen ungarischen Blockade milliardenschwerer
EU-Finanzhilfen für die Ukraine sagte Costa, die Haltung der
Regierung in Budapest sei vollkommen inakzeptabel. Zugleich
kritisierte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wegen
dessen Drohungen gegen Ungarn. «Natürlich können wir es nicht
akzeptieren, wenn jemand - selbst in einem emotionalen Moment - einen
Regierungschef eines Mitgliedstaats der Europäischen Union in
unangemessener Weise anspricht», sagte der EU-Ratspräsident.
Im Streit über die von Ungarn blockierten Finanzhilfen hatte
Selenskyj dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban offen
gedroht. «Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die
90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer
Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person
unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer
Sprache reden», sagte Selenskyj. Von der Regierung in Budapest wurden
die Äußerungen als Einschüchterungs- und Erpressungsversuch gesehen.
Orban will die Blockade erst beenden, wenn der Konflikt um
unterbrochene russische Öllieferungen über die Druschba-Pipeline
beigelegt ist. Seine Regierung wirft der Ukraine vor, eine
Wiederaufnahme des Betriebs der Pipeline zu verhindern. Diese führt
von Russland über Belarus und die Ukraine nach Ungarn und in die
Slowakei.
