Ex-EU-Kommissar muss wegen Lumumba-Mord vor Gericht
17.03.2026 14:41
Für Grausamkeiten während der Kolonialherrschaft im Kongo hat Belgien
seine Schuld eingestanden. Vor Gericht geht es um die Rolle eines
Belgiers bei der Ermordung des ersten Premierministers Lumumba.
Brüssel (dpa) - Weil er bei der Ermordung des ersten Premierministers
des Kongos, Patrice Lumumba, mutmaßlich eine Rolle gespielt hat, muss
der ehemalige belgische Spitzenpolitiker Étienne Davignon vor
Gericht. Die Ratskammer in Brüssel entschied, dass der heute
93-jährige Davignon sich einem Strafprozess stellen muss, wie die
belgische Nachrichtenagentur Belga berichtet.
Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft beantragt, dass Davignon unter
anderem wegen bestimmter Formen der Beteiligung an Kriegsverbrechen
und unrechtmäßiger Freiheitsberaubung vor das Strafgericht treten
muss.
Belgien regierte mit brutalsten Methoden
Konkret geht es um die Rolle Davignons bei der Ermordung Lumumbas
1961. Der erste Ministerpräsident des 1960 von Belgien unabhängig
gewordenen Kongo wurde nach seinem Sturz erschossen. Vorwürfen
zufolge sollen dabei Belgien und die USA ihre Finger im Spiel gehabt
und Davignon als junger belgischer Diplomat eine Rolle gespielt
haben. Belgien war unter Leopold II. Kolonialmacht im Kongo und
regierte mit brutalsten Methoden.
Ein Sohn Lumumbas hatte vor etwa 15 Jahren eine Klage gegen rund ein
Dutzend Belgier eingereicht, die seiner Ansicht nach mit dem Tod in
Verbindung gestanden haben könnten. Davignon, der von 1977 bis 1985
EU-Kommissar und auch Vizepräsident der Behörde war, ist der einzige
Angeklagte, der noch lebt.
Patrice Lumumba galt als charismatische Sozialist und wird vielerorts
noch heute als eine Symbolfigur afrikanischer Unabhängigkeit verehrt.
